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Franz Anton von Bernard, Einleitung. In: Des Afrikaner's Arnobius sieben Bücher wider die Heiden. Aus dem Lateinischen übersetzt und erläutert von Franz Anton von Bernard, Landshut 1842.
Einleitung

Vorwort

13.

Licinius, dem Galerius als seinem Waffenbruder den Namen eines Augustus übertragen und die Verwaltung der illyrischen Provinzen zugetheilt hatte, war zu roh und jenem zu blind ergeben, als daß das Blut der Heiligen nicht auch in seinen Landen floß. Doch findet sich nicht die geringste Spur, daß Licinius Verordnungen wider die Gläubigen erlassen oder sonst die Verfolgung stark betrieben habe. Da es selbst unter Maximin, der so entschieden sich für einen Feind der Christen erklärte, stets neuer Edikte bedurfte, um des Sturmes Ende zu hindern, so ist nicht wahrscheinlich, daß in den illyrischen Provinzen die Verfolgung heftig getobt habe. Unterdessen setzte auch Galerius sein Wüthen fort, bis ihn des ewigen Rächers Hand traf. Er ward im Jahre 310 an den geheimsten Theilen des Leibes von einer höchst seltenen, furchtbaren Krankheit befallen; Würmer wuchsen in seinen Eingeweiden. Vergebens trieb man die berühmtesten Aerzte aus allen Gegenden seines Reiches zusammen; vergebens befragte man Aeskulap und Apollo. Das von letzterem angeordnete Oelbad kostete dem Kranken beinahe das Leben. So hatte der unselige Augustus ein volles Jahr hilflos in den entsetzlichsten Schmerzen gerungen; da erwachte in seiner verzweifelnden Seele die Ahndung, daß der Gott, dessen Bekenner er vergeblich zu vertilgen gestrebt, doch mehr als ein Hirngespinnst sey, und daß die durch Nichts zu lindernde Pein allerdings eine Strafe dieses Gottes und die Vergeltung der Martern, welche er über so viele Christen verhängt hatte, seyn möchte. Er beschloß also zu versuchen, ob er den Christengott nicht versöhnen, durch seine Hilfe die Linderung, welche kein Götze ihm zu verschaffen im Stande gewesen, finden könnte, und erließ daher im Jahr 311 am letzten April in seinem, Konstantin's und Licinius Namen ein Gesetz, durch welches er den Christen gestattete, ungestört ihren Glauben zu bekennen und die zerstörten Kirchen wieder aufzubauen, vorgebend, er habe die Befehle zu ihrer Verfolgung nur erlassen, weil er die Gesetze des alten Roms in allen Dingen habe erhalten wollen, und er nähme dieselben jetzt zurück, weil er sähe, die Christen seyen von ihrer einmal gefaßten Meinung durchaus nicht abzubringen, und einlenkend, sie müßten nun aber deßgleichen dieser Gnade gedenkend zu ihrem Gott für des Kaisers und Staates Wohl bethen (Stollberg IX. 424 flg.). Diese Verordnung ward auch dem Maximin überschickt, der nicht wagte, Gehorsam zu verweigern, aber eben so wenig sich entschließen konnte, in seinem Namen etwas zu Gunsten der Christen ergehen zu lassen. Er befahl also seinem Prätoriumspräfekten Sabinus mündlich, der Verfolgung Einhalt zu thun, und dieser theilte den Statthaltern die neue Anordnung in Briefen [S. 17] mit (Stollberg IX. 430 flg.). So genossen denn die Gläubigen im ganzen Umfange des Morgenlandes unerwartet des Friedens. Aller Orten kehrten sie heim aus den Kerkern und Erzgruben nach ihrer Heimath, erneuerten die gottesdienstlichen Versammlungen und begannen der zerstörten Kirchen Bau. Voll Staunen aber sahen die Heiden, daß die vereinten Anstrengungen durch acht Jahre her ganz vergeblich gewesen; daß das Christenthum siegreich, wie neugeboren aus den Stürmen dieser unerhört blutigen Verfolgung herhorgehe; und bewunderten die Macht des Christengottes.

 

 

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Einleitung zu:
Gegen die Heiden (Adversus Nationes) (Arnobius major (um 303-305))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger