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Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis)

Summarische Wiederholung

Summarische Wiederholung.

1.

1 Es ist nun Zeit, nachträglich noch über Vater, Sohn und Geist Einiges, was oben übergangen wurde, auseinander zu setzen: über den Vater, daß er ungetheilt und unzertrennlich Vater vom Sohne wird, nicht, wie Einige glauben, durch Entbindung. 2 Denn wäre der Sohn eine Geburt aus dem Vater, und zeugte er ihn aus sich nach Art thierischer Zeugung, so müßte sowohl der Gebärende als der Geborne nothwendig Körper seyn. Ich bin auch nicht der Meinung der [S. 292] Häretiker, daß ein Theil des Wesens Gottes in den Sohn verwandelt, oder daß der Sohn aus dem Nichtseyn von dem Vater geschaffen sey, 3 so daß keine Zeit gewesen wäre, wo er nicht war; sondern ich behaupte mit Ausschließung aller körperlichen Begriffe, daß der Logos und die Weisheit aus dem Unsichtbaren und Unkörperlichen entsprungen sey, wie der Wille aus dem Geiste entspringt; und er könnte ebenso gut, als er Sohn der Liebe heißt, auch Sohn des Willens Gottes genannt werden. Ist 4 er nun, als Bild des unsichtbaren Vaters, unsichtbares Ebenbild und ich möchte kühn hinzusetzen: die Aehnlichkeit des Vaters selbst, so war nie eine Zeit, wo er nicht war. Wann hatte den Gott, dern nach Johannes ein Licht heißt, „Gott ist ein Licht“ (1, 1, 5.), keinen Abglanz seiner eigen- [S. 293] thümlichen Herrlichkeit, daß man es wagen dürfte, dem Sohne einen Anfang zugeben, als ob er vorher nicht gewesen? Wann sollte das Ebenbild von dem verborgenen, namenlosen, unaussprechlichen Wesen des Vaters, sein Abdruck, der Logos, der den Vater erkennet, nicht gewesen seyn? Es bedenke wohl, wer es wagt zu sagen „es war eine Zeit, da der Sohn nicht war“, daß er zugleich sagt: die Weisheit war einmal nicht, und die Vernunft war nicht, und das Leben war nicht. 5 Denn in diesen Bezeichnungen liegt das Wesen des Vaters vollkommen: und diese Eigenschaften können nicht von ihm genommen oder von seinem Wesen getrennt gedacht werden. Wenn sie gleich in der Vorstellung mehrere sind, so sind sie doch der Sache und dem Wesen nach Eins. Und darin besteht die Fülle der Gottheit. Auch steht es unserer schwachen Einsicht nicht zu, ja es ist nicht ohne Gefahr, von uns aus Gott das ewige Zusammenseyn mit dem eingebornen Logos abzusprechen, der die Weisheit ist, an welcher er seine Freude hat. Denn auf solche Weise könnte er auch nicht in ewiger Freude gedacht werden. Der Ausdruck selbst aber: es war nie eine Zeit, da er nicht war, darf nicht streng genommen werden: denn die Worte „nie, da“ enthalten schon Zeitbestimmungen; was [S. 294] aber von Vater, Sohn und Geist gesagt wird, ist über alle Zeit, über alle Aeonen, und über die ganze Ewigkeit hinauszudenken. Nur, was zu dieser Dreizahl nicht gehört, ist nach Welten und Zeiten zu ermessen.

1: Ανακεφαλαιωσις, „de patre et filio et spiritu sancto et caeteris quae superius dicta sunt.“ Die lateinischen Worte scheinen mir von Rufin hinzugesetzt zu seyn. Das Ganze ist eine Wiederholung aller vier Bücher, und kann nicht, wie von de la Rue geschieht, zum vierten gezählt werden. Daß Rößler und vor ihm schon Scultetus (Medulla theol. patr. 6, 4.) zweifeln wollen, ob diese Anakephalaiosis von Orig. selbst herrühre, verdient kaum Erwähnung, da schon Athanasius und Euseb. Stellen aus ihr, als von Orig. anführen. — Huet weist den Zweifel des Scultet „nullo adducto argumento, ut nullo auctore submixum“, zurück. — Die zwei ersten Sätze finden wir vollständig griechisch bei Euseb. in der Schrift adv. Marc. Ancyr., wo er diesen über den Sinn der Stelle des Orig. besser unterrichtet, da Marcellus glaube, Orig. erkenne im Sohne eine substantiell verschiedene, δευτεραν υποθεσιν. Uebrigens ist die rufinische Uebersetzung mit diesem Fragment ganz gleichlautend.
2: προβαλων — προβολη, Dieses wird auch vom Treiben der Knospen gebraucht, hier aber im Sinne von Gebären „οποια τα των ζωων γεννηματα.“ Rufin: praelatio.
3: Huet hält diese Worte für unterschoben, weil Sozomenus sagt: προτερον παρ’ετερου μη ειρημενον τολμησαι (Arius) εν εκκλησιᾳ αποφηνασθαι· „τον υιον του θεου εξ ουκ οντων γεγενηςθαι.“ Allein Sozomenus irrt, denn Athanas. de decr. Syn. Nic. p.233. führt ausdrücklich als Orig. Worte an: Ει εστιν εικων του θεου του αορατου, αορατος εικων, εγω δε τολμησας προσθειην αν, οτι και ομοιοτης τυγχανων του πατρος ουκ εστιν οτε ουκ ην. Ποτε γαρ ο θεος ο κατα τον Ιωαννην φως λεγομενος· —— απαυγασμα ουκ ειχε; u. s. w. (wie sie nachher aufgenommen sind) zum Theil übereinstimmend mit Rufin, dessen einzelne Abweichungen sogleich angegeben werden. — Die obigen Worte lauten in der lat. Uebers. aut ex nullis substantibus filium procreatum a patre, und dazu noch: „id est extra substantiam suam“; ist dieß nicht Erklärung Rufins? Es paßt offenbar nicht zum Folgenden und stört den Zusammenhang.
4: Hier folgt das Fragment. Rufin hat bloß: Sed et Joannes indicat, quia Deus lux est, et „Paulus designat quia filius splendor lucis aeternae sit“ (dieß hat er wohl nur zu näherer Erklärung des απαυγασμα hinzugefügt; die Stelle ist oben I, 2. schon weit ausgeführt). Sicut ergo lux nunquam sine splendore esse potuit, ita nec filius quidem sine patre — (gerade das Umgekehrte soll bewiesen werden) — qui et figura expressa substantiae ejus etc., was im Griech. heißt της αρρητου και ακατονομαστου και αφθεγκτου υποστασεως του πατρος εικων, ο χαρακτηρ κτλ.
5: Quomodo ergo potest dici, quia fuit aliquando, quando non fuit filius? Nihil enim aliud est, nisi dicere, quia etc. Im Griech. κατανοειτω γαρ … Das übrige ist so übereinstimmend, daß ich keinen Anstand nehmen konnte, das, was Rufin mehr sagt, daran anzureihen: cum in his omnibus perfecte Dei patris substantia censeatur: non enim ab eo dirimi haec, vel ab ejus possunt unquam substantia separari. Quae quidem quamvis intellectu multa esse dicantur, re tamen et substantia unum sunt, in quibus plenitudo est divinitatis. Auch fährt Athanas. fort mit einem Ausdruck, welcher stets eine kleine Auslassung anzeigt; mithin gehört, was Athan. weiter anführt, nach den letzten Worten des Rufin, und ist wiederum von diesem ausgelassen worden: „Αλλ’ου θεμις εστι ουδε ακινδυνον δια την ασθενειαν ημων, το οσον εφ’ημιν αποστερεισθαι τον θεον του αει συνοντος αυτῳ λογου μονογενους, σοφιας οντος, ῃ προσεχαιρεν· ουτω γαρ ουδε αει χαιρων νοηθησεται.“. So weit Athanasius. Das Fernere ist nach Rufin.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger