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Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis)
Viertes Buch.
Erster Abschnitt. Von der göttlichen Eingebung der heiligen Schrift.

5.

Was sagen wir ferner zu der Weissagung von Christo in den Psalmen, besonders in dem Lied mit der Aufschrift „Für den Geliebten“ (Ps. 45.), dessen Zunge genannt wird der Griffel eines Schnellschreibers, er selbst wohlgestaltet vor andern Menschenkindern, weil Anmuth über seine Lippen strömt? Der klarste Beweis von der Anmuth, die über seine Lippen strömte, ist gewiß, daß bei der kurzen Zeit seines Lehramtes, denn er lehrte etwa ein Jahr und etliche Monate, 1 der Erdkreis von seiner Lehre und seinem Gottesglauben erfüllt wurde. Dem in seinen Tagen ist Gerechtigkeit und Friede die Fülle aufgegangen, die bleiben wird bis zur Vollendung, welche dort Vernichtung des Mondes heißt, und sie wird herrschen von Meer zu Meer und von den Strömen bis an die Grenze der Erde (Ps. 72, 7. 8.). Dem Hause David ward sogar ein Zeichen gegeben (Jes. 7, 14.): Eine Jungfrau ward schwanger und gebar einen Sohn, dessen Name ist Immanuel, d. h. Gott mit uns. Dieß ist erfüllt worden, wie es der Prophet ausspricht: Gott ist mit uns. „Erkennet es, Völker, und laßt euch überwinden; macht euch stark und laßt euch besiegen“ (Jes. 8, 10.). Denn überwunden und besiegt sind wir, die wir aus den Heiden [S. 255] durch seine holdselige Rede gewonnen wurden. 2 Ja selbst der Ort seiner Geburt ist von Micha vorhergesagt worden (Mich. 5, 1.): „Und du Bethlehem, des Landes Juda, bist mit nichten die kleinste unter den Führern Juda’s: aus dir soll mir der Führer kommen, der mein Volk Israel weiden soll.“ Auch die 70 Jahrwochen nach Daniel sind bis auf die Erscheinung Christi verflossen. Es kam der, welcher bei Hiob (40. 41.) das Seeungeheuer überwältigen sollte, und der seinen ächten Jüngern die Macht gegeben hat, auf Schlangen und Skorpionen und auf alle Gewalt des Feindes zu treten, ohne von diesen verletzt zu werden. Betrachte man nun auch die Erscheinung der Apostel, die von Jesu nach allen Enden ausgesandt wurden, um das Evangelium zu verkünden, und man wird ein übermenschliches Unternehmen, ein Werk aus Gott erblicken. Erwägen wir, daß Menschen, die eine neue Lehre und fremde Reden vernahmen, in dem Augenblick, da sie den Aposteln nach dem Leben trachten wollten, von einer göttlichen Kraft, die über ihnen waltete, ergriffen, ihnen zufielen: dann werden wir nicht mehr zweifeln, ob sie auch 3 wirklich Wunder verrichtet haben, da ja Gott selbst ihre Reden durch Zeichen und Wunder und mannigfaltige Gaben bekräftigt hat.

1: Irenäus I, 3, 3. gibt diese Meinung den Valentinianern als Irrthum Schuld. Uebrigens findet sie sich auch bei Clem. (Strom. I, 340.) und Tertullian (adv. Jud. 18.). Sie nehmen das 15. Jahr des Tiber, in welchem Christus nach Lucas getauft wurde, auch als das Todesjahr desselben.
2: Sehr poetisch gibt Rufin das εαλωκοτες: velut exuviae quaedam victoriae ejus exstitimus.
3: ει και, dafür hat eine Handschr. και ει — zumal, da oder wenn — Mir scheint aber dieser Satz nothwendig zu ουκ απιστησομεν zu gehören, und ein anderer Ausdruck für das obige τολμημα ου κατ’ ανθρωπον και επιταγμα θεου zu seyn. So auch Rufin: invenimus nihil in hac causa humanis viribus, sed totum divina virtute et providentia procreatum (τερατα πεποιηκασι), etc.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger