Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis) Viertes Buch. Erster Abschnitt. Von der göttlichen Eingebung der heiligen Schrift.
2. Wenn wir nun wissen, wie dieses Wort in so wenigen Jahren, ungeachtet die Bekenner des Christenthums verfolgt, einige um dessen willen getödtet wurden, andere ihr Vermögen verloren, und während es nicht einmal hinreichend Lehrer fand, dennoch über den ganzen bewohnten Erdkreis konnte verkündigt werden, daß Griechen und Barbaren, Weise und Ungebildete dem Glauben an Jesum zufielen; so nehmen wir keinen Anstand, dieses eine übermenschliche Erscheinung zu nennen: zumal, da [S. 252] Jesus mit aller Kraft der Ueberzeugung von der künftigen Wirksamkeit seines Wortes gesprochen hat, so daß man seine Reden wahrhaft als Weissagungen ansehen darf: z. B. (Matth. 10, 18.) „Vor Könige und Gewalthaber wird man euch führen um meinetwillen, zum Zeugniß wider sie und die Heiden“; (Matth. 24, 14.) „dieses Evangelium wird auf der ganzen Erde gepredigt werden“; 1 und (7, 22.) „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen, Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen gegessen, in deinem Namen getrunken, 2 in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Und ich werde ihnen antworten, weichet von mir, ihr Diener der Ungerechtigkeit, ich kenne euch nicht.“ Nun war es doch vielleicht wahrscheinlich, daß der Herr das vergebens gesagt habe, und daß es nie Wirklich geschehen werde; nachdem aber geschehen ist, was mit solcher Bestimmtheit vorausgesagt war, ist es ein sonnenklarer Beweis, daß Gott wirklich Mensch geworden und den Menschen die heilsamen Lehren gebracht hat.
1: Die Stelle M. 24, 14. fehlt in der Philokalie. 2: Verwechslung mit der Parallelstelle Luc. 13, 26.; weil es ihm nur um das „πολλοι ερουσι κυριε“ zu thun ist; Rufin hat die gleiche Lesart.
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