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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
I. Kapitel. Die Schöpfung kraft des göttlichen Willens ein einheitlicher Organismus. Der Schöpfer der Materie ihr Bildner. Maßstab für die Beurteilung der Schöpfung ist nicht sophistische Scheinwahrheit, sondern die Regel der Schriftwahrheit: nicht Menschenauge, sondern Gottesauge.

3.

Euch nun bitte ich, das, was wir glaubhaft aussprechen, gütigst im natürlichen Sinn verstehen und mit Herzenseinfalt und geistigem Interesse überdenken zu wollen, nicht nach Maßgabe philosophischer Schulmeinungen und „eitlen Trugs“1, die mit ihren Schlüssen nur den Schein des Wahren wecken, sondern nach Maßgabe der Wahrheitsregel, die in den Aussprüchen des Gotteswortes vorliegt und mit der Betrachtung ihrer [S. 52] so wunderbaren Erhabenheit den Herzen der Gläubigen sich einsenkt. Denn so steht geschrieben: „Befestige mich in Deinen Worten!“2 „Die Ungerechten erzählten mir ihre Gepflogenheiten, aber nicht wie Dein Gesetz, o Herr: nur Deine Gebote alle sind Wahrheit“3. Also nicht die Natur der Dinge selbst, sondern Christus, der in der Überfülle seiner Gottheit4 alles, was er wollte, geschaffen5, soll uns maßgebend sein für die Beurteilung der Geschöpfe und die Frage, was die natürliche Kraft zu leisten vermag. So fragte, als er im Evangelium einen Aussätzigen heilte6 und Blinden das Augenlicht wiederschenkte7, das Volk, das zugegen war und es sah, nicht lange nach den Regeln der Heilkunst, sondern bewunderte die Macht des Herrn und „lobte Gott“8, wie geschrieben steht. Auch den Moses bestimmten nicht die Zahlenkünste der Ägypter oder die Konstellation der Gestirne oder die Bemessungen der Elemente, daß er seine Hand ausstreckte, das Rote Meer zu teilen, sondern der Gehorsam gegen den göttlichen Machtbefehl. Darum bekennt er selbst: „Deine Rechte, Herr, ward verherrlicht in Macht; Deine Rechte, Herr, schlug nieder die Feinde“9. Dorthin, heiliges Volk, erhebe also deinen Geist, dahin lenke all’ deinen Sinn! Nicht so wie des Menschen Auge sieht Gottes Auge. Gott sieht ins Herz, der Mensch ins Gesicht. Und nicht so wie Gottes Auge sieht sonach des Menschen Auge. Du vernimmst, wie Gott sah und guthieß10: So miß denn die geschaffenen Dinge nicht nach deinem Augenmaß und beurteile sie nicht nach deinem Dafürhalten, glaube vielmehr, was Gott sah und guthieß, nicht nachprüfen zu sollen.

1: Kol. 2, 8. Eph. 5, 6.
2: Ps. 118, 28 [Hebr. Ps. 119, 28].
3: Ps. 118, 85 f. [Hebr. Ps. 119, 85 f.].
4: Kol. 2, 9.
5: Ps. 113, 11 [Hebr. Ps. 115, 3].
6: Vgl. Matth. 8, 2 ff.
7: Matth. 9, 29 ff.
8: Luk. 18, 43. Joh. 9, 7.
9: Exod. 15, 6.
10: Gen. 1, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger