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Origenes († 253/54) - Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis)
Erstes Buch.
Dritter Abschnitt. Vom heiligen Geiste.

4.

Dann haben wohl auch schon einige meiner Vorgänger bemerkt, daß so oft im Neuen Testament der Geist ohne nähere Bestimmung genannt wird, der heilige Geist zu verstehen sey, wie in Gal. 5. 22. die Frucht des Geistes ist &c., und Gal. 3, 5. Ich glaube aber, daß sich auch im Alten Testament jene Unterscheidung anwenden läßt, wo es heißt: „der dem Volke, das auf der Erde ist, den Odem gibt und den Geist denen, die darauf gehen.“ Ohne Zweifel ist Jeder, der die Erde (das Irdische und Vergängliche) betritt, des heiligen Geistes theilhaftig, sofern er ihn von Gott empfängt. Es sagte mir auch der Hebräer, 1 jene zwei sechsflügelichten Seraphim bei Jesaias, die gegeneinander rufen und sprechen: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth“ seyen der eingeborne Sohn Gottes und der heilige Geist; und ich glaube, daß auch in dem Liede Habakuks die Worte, „in Mitten [S. 45] zweier Wesen wirst du erkannt werden“, von Christus und dem heiligen Geiste zu verstehen seyen. Denn alles Wissen von dem Vater wird nur mitgetheilt durch die Offenbarung des Sohnes im heiligen Geiste, so daß diese beiden, die der Prophet lebende Wesen nennt, der Grund des Wissens von Gott dem Vater sind. Wie von dem Sohne gesagt wird, daß Niemand ausser ihm den Vater sehe, als wem er ihn will offenbaren, so sagt der Apostel (1 Cor. 2, 10.) von dem heiligen Geiste: uns hat Gott geoffenbaret durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Ja selbst der göttliche Erlöser, wo er der göttlichen und tiefern Lehren erwähnt, die seine Jünger noch nicht fassen könnten, sagt zu den Aposteln: Ich habe euch noch viel zu sagen, — — wenn aber der Tröster, der heilige Geist kommt, der wird euch Alles lehren &c. (Joh. 16, 12.). Wie demnach der Sohn, der allein den Vater kennt, ihn nur offenbart, wem er will: so ist anzunehmen, daß auch der heilige Geist, der allein die Tiefen der Gottheit erforscht, Gott offenbart, wem er will. Denn „der Geist weht wo er will“ (Joh. 3, 8.). Uebrigens darf man sich das nicht so denken, als ob der Geist nur vermittelst der Offenbarung des Sohnes erkenne. Denn wenn er nur durch diese den Vater erkennt, so kommt er aus dem Mitwissen zur Erkenntniß; nun ist es aber ebenso unfromm als ungereimt, einen heiligen Geist zu bekennen und ihm Mangel an Wissen zuzuschreiben. Er war aber auch nicht zuvor etwas Anderes, als heiliger Geist, so daß er auf dem Wege der Entwicklung heiliger Geist geworden wäre; und man kann nicht sagen, er habe, als er noch nicht heiliger Geist gewesen, nichts vom Vater gewußt, und erst nachdem er zur Erkenntniß gekommen, sey er heiliger Geist geworden; in diesem Falle würde er gewiß nie mit dem Wesen des unwandelbaren Gottes, Vaters und Sohnes zusammengedacht. Dieß ist nur insofern möglich, als er von Ewigkeit heiliger Geist war. Es sind jedoch die Worte „von Ewigkeit“ und „war“ und ähnliche Zeitbestimmungen, die wir gebrauchen, unverfänglich und mit Nachsicht zu nehmen, sofern ihre Bedeutung, eine endliche und zeitliche ist, das aber, wovon wir hier nach, mensch- [S. 46] licher Weise reden, seiner Natur nach alle Begriffe des endlichen Verstandes übersteigt.

1: ο Εβραιος ελεγε. Hieron. apol. adv. Rufin. (ep. ed. Erasmi t. 2, p. 204): Ipse Origenes et Clemens et Eusebius atque alii complures, quando de scripturis aliqua disputant, et volunt approbare, quod dicunt, sic solent scribere: referebat mihi Hebraeus; certe etiam Origenes partiarchem Huillum, qui temporibus ejus fuit, nominat: et XXX. tom. In Esaj. Et Psam. LXXXXIX. —Die obige Stelle des Textes findet sich griechisch bei Justinian und Joh. von Damaskus; Rufin hat sie wörtlich so. Die Erklärung, die Orig. gibt, erwähnt Hier. lib. 3. in Es. u. ep. ad Pammach. et Oceanum (ed. Erasm. 11, p. 192.) als eine expositio detestanda. Die LXX. haben in der zweiten Stelle Habac. 3, 2: εν μεσω δυο ζωων γνωσθηση. — Duorum animalium vel duorum vitarum gibt es Rufin, je nach der Lesart ζωων von ζωον, oder ζωων von ζωη. Im hebr. Texte steht nichts von all diesem; es heißt: והוה פעלך בּקרב שׁנום היהו בּקרב שׁנים תֺודע (Hab. 2, 4.).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger