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Boethius (†524/26?) - Trost der Philosophie
Zweites Buch

VIII.

Doch du sollst nicht glauben, daß ich einen unerbittlichen Krieg mit der Fortuna führe; manchmal macht sie sich auch um den Menschen wohl verdient und ist nicht trügerisch; dann nämlich, wenn sie sich offen kundgibt, wenn sie ihre Stirne enthüllt und·ihren Chatakter bekennt. Vielleicht begreifst du noch nicht, was ich sagen will. Wunderbar ist freilich, was ich zu sagen trachte, und deshalb kann ich meine Meinung kaum mit Worten entwickeln. Ich glaube nämlich, daß den Menschen ein widriges Geschick mehr als ein günstiges nütze. Dieses lügt nämlich immer unter dem Scheine der Glückseligkeit, während es zu schmeicheln scheint; jenes ist immer wahr, da es in seiner Veränderung seine Unstetheit zeigt; dieses täuscht, jenes belehrt. Dieses bindet die Seelen der Genießer unter dem Scheine lügnerischer Güter, jenes löst sie durch die Erkenntnis der Gebrechlichkeit jener Glückseligkeit. Daher siehst du dieses windig, fließend, immer seiner selbst unkundig, jenes nüchtern gegürtet und selbst klug durch Übung in der Widerwärtigkeit. Endlich zieht das Günstige durch Schmeicheln vom Pfade der Tugend ab, das Widrige führt meistens zum wahren Guten zurück, indem es mit Widerhaken zieht. Und dann schätzest du es gering, daß diese herbe schreckliche Göttin dir die Seelen der treuen Freunde entdeckt hat? Sie hat dir die zuverlässigen Mienen der Gefährten von den zweideutigen gesondert, und als sie wegging, hat sie die ihrigen mit sich genommen, die deinigen dir gelassen. Wie hoch hättest du dir dies erkauft, als du dir noch heil und beglückt erschienst? Jetzt klagst du über verlorene Schätze; du hast die kostbarste Art von Reichtümern, Freunde gefunden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger