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Boethius (†524/26?) - Trost der Philosophie
Zweites Buch

VII.

Wer nur nach Ruhm mit stürmischen Sinnen strebt,
In ihm der Güter höchstes sieht,
Der schau', wenn er zum weiten Himmelszelt geblickt,
Hin auf der Erde schmalen Raum.
Füllt euer Name schon den engen Umkreis nicht,
So bringt euch, ihn zu mehren, Scham.
Was strebt ihr Stolzen unterm Joch der Sterblichkeit
Den Nacken bäumend, doch umsonst!
Mag zu entlegnen Völkern dringen euer Ruf,
Mag nennen ihn auch fremder Mund,
Von Ehrentiteln glänzen euer hohes Haus,
Der Tod verspottet großen Ruhm.
Das niedre Haupt, wie das erhabne fällt er gleich,
Das Höchste, Tiefste gilt ihm eins.
Wo blieb des redlichen Frabricius Gebein?
Wo Brutus? Cato's Strenge? Wo?
Mit wen'gen dürren Lettern schrieb ein magrer Ruf
Den Rest, den leeren Namen auf.
Doch, was wir kennen Anmut, unsrer Rede Zier,
Kennt das wohl die Verwesung noch?
So liegt ihr also völlig in Vergessenheit
Und der entreißt euch nicht der Ruf.
[S. 65] Doch glaubt ihr länger euer Leben hinzuziehen
Mit eures Namens ird'schem Hauch,
So wartet, wenn ein später Tag auch ihn entrafft,
Doch eurer nur ein zweiter Tod.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger