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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
IX. Kapitel. Die Erschaffung des Lichtes (Gen 1,3): Das Licht der erste und notwendigste Schmuck der Schöpfung. Sein plötzliches Aufleuchten durch das ganze All. Auge und Licht. Die Ausscheidung des Lichtes (= Tag) von der Finsternis (= Nacht). Das Licht, nicht die Sonne gebiert den Tag.

34.

“Und er schied das Licht von der Finsternis. Und Gott sah das Licht, daß es gut ist“1. Er sprach, und niemand vernahm den Laut einer Stimme; er schied aus, und niemand merkte seines Schaffens Mühe; er sah, und niemand gewahrte seines Auges Blick. ― „Und Gott sah das Licht, daß es gut ist.“ Nicht etwas, was ihm unbekannt war, sah er, und nicht etwas, das er vorher nicht kannte oder nicht gesehen hatte, billigte er; guten Werken ist es vielmehr eigen, daß sie einer äußeren Empfehlung nicht bedürfen, sondern selbst bei ihrem Anblick von ihrer Vortrefflichkeit Zeugnis geben. Mehr besagt die Billigung des Auges als das Lob des Mundes; denn das Auge stützt sich auf das eigene Zeugnis, nicht auf fremde Empfehlung. Wenn nun schon bei uns mittels der Augen, die ein Schauen der anmutvollen Schönheit und der natürlichen Beschaffenheit der Dinge zugleich ermöglichen, ein Urteil sich fällen läßt, wieviel mehr sieht Gott, was er billigt, und billigt er, was er ansieht, nach dem Ausspruch der Schrift: „Des Herrn Augen ruhen auf den Gerechten“2. Die Natur des Lichtes ist derart, daß seine ganze Vorzüglichkeit nicht in der Zahl, nicht im Maß, nicht im Gewicht liegt wie sonst ein Vorzug, sondern im Anblick. Mit besonderen Wendungen [S. 46] bezeichnete also (die Schrift) die Natur des Lichtes, das deshalb beim Sehen Gefallen weckt, weil es selbst das Sehen ermöglicht. Und nicht umsonst war ihm ein so berufener Herold beschieden, von dem es mit Recht an erster Stelle Lob erntet, weil es gerade die Vorbedingung für das Lob bildete, dessen auch die übrigen Bestandteile der Welt würdig sind. ― „Gott sah das Licht“ und hellte es mit seinem Blicke auf und sah, „daß es gut ist“. Nicht ein teilweises, sondern ein allseitiges Urteil Gottes liegt hierin: sonach eine Gutheißung der Vorzüglichkeit des Lichtes nicht bloß hinsichtlich seines Glanzes, sondern seiner ganzen Nützlichkeit überhaupt. Darum hat auch die Ausscheidung zwischen Licht und Finsternis statt. Es soll sich zeigen, daß die ausgesonderte Natur des Lichtes mit der der Finsternis nichts gemein hat.

1: Gen. 1, 4.
2: Ps. 33, 16 [Hebr. Ps. 34, 16].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger