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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
VIII. Kapitel. Die "ungestaltete" Erde (Gen 1,2): Was heißt "ungestaltet"? Der Geist Gottes über den Wassern der Heilige Geist: die Schöpfung das Werk der Trinität. Die "Finsternis über dem Abgrunde" nicht die bösen Geister das Böse überhaupt nichts Erschaffenes, nichts Substanzielles, sondern ein sittlicher Defekt, das einzige wahre Übel sondern der Schattenwurf des Himmels auf die Erde.

30.

Jene nun1 wollen vom Herrn unserem Gotte zuerst die vier Elemente: Himmel, Erde, Meer und Luft hervorgebracht wissen, deshalb weil Feuer und Luft, Erde und Wasser die Grundstoffe der Dinge bilden, aus welchen der Welt Schönheit und Form besteht. Wo nun hätte die Finsternis der Geister der Bosheit noch Platz haben sollen, als die Welt das Prachtgewand ihrer jetzigen herrlichen Gestalt anzog? Oder hat Gott zugleich auch das Böse erschaffen? Doch nein, das nahm seinen Ursprung aus uns und ging nicht aus Gottes Schöpferhand hervor: die Ausgeburt eines leichtsinnigen sittlichen Wandels, ohne alles geschöpfliche Vorrecht und Ansehen einer Natursubstanz, vielmehr mit dem schlimmen Hang zur Unbeständigkeit und der Verirrung in die Sünde behaftet. Ausgerottet will es Gott haben aus eines jeglichen Seele: wie sollte er es eingepflanzt haben? Laut mahnt der Prophet: „Lasset ab von eurer vielen Bosheit!“2 Und insbesondere der heilige David: „Laß ab vom Bösen und tu Gutes!“3 Wie dürften wir ihm den Ursprung aus dem Herrn beilegen? Und doch ist dies die unselige Ansicht derer, die da Verwirrung in der Kirche anrichten zu müssen glaubten. Hier machten die Marcioniten, dort die Valentiner, dort die Pest der Manichäer den Versuch, in den Geist der Heiligen die Todeskeime ihrer ansteckenden Seuche zu senken. Was sollten wir uns im Lichte des Lebens die Finsternis des Todes aufsuchen? Die göttliche Schrift träufelt den Balsam des Heils, duftet den Wohlgeruch des Lebens, so daß du süße Frucht aus ihrer Lesung ziehen, nicht Gefahr zu jähem Sturz laufen [S. 40] sollst. In Einfalt lies, o Mensch! Grab dir nicht selbst, ein verkehrter Ausleger, eine Grube! Der einfache Wortlaut sagt: „Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen“: er hat geschaffen, was nicht da war, nicht, was da war. Ferner: „Die Erde war unsichtbar“: seit dem Augenblicke der Erschaffung war sie da, und zwar unsichtbar, weil Wasser sie überflutete und bedeckte. Und Finsternis war ausgegossen über ihr, weil noch kein Tageslicht, noch kein Sonnenstrahl da war, der selbst die unter dem Wasser verborgenen Dinge zu erhellen pflegt. Wie kann man also sagen, daß Gott das Böse erschaffen hat, da doch aus konträren, sich entgegengesetzten Prinzipien nichts hervorgeht, was gerade das Gegenteil von ihnen ist: Leben erzeugt nicht Tod und Licht nicht Finsternis. Denn nicht wechselnden Launen gleichen Zeugungsprozesse. Jene kehren sich mit der Änderung des Vorsatzes von einem Gegenteil ins andere, diese lassen sich nicht von einem Gegenteil ins andere verändern, sondern stehen, aus gleichartigen Urhebern, bezw. Ursachen entstanden, in einem Ähnlichkeitsverhältnisse zu ihrem Urheber.

1: Vgl. zur folg. Polemik Basil., l. c. 4 sq. (in abweichender Anordnung).
2: Is. 1, 16.
3: Ps. 33, 15 [Hebr. Ps. 34, 15].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger