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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
VIII. Kapitel. Die "ungestaltete" Erde (Gen 1,2): Was heißt "ungestaltet"? Der Geist Gottes über den Wassern der Heilige Geist: die Schöpfung das Werk der Trinität. Die "Finsternis über dem Abgrunde" nicht die bösen Geister das Böse überhaupt nichts Erschaffenes, nichts Substanzielles, sondern ein sittlicher Defekt, das einzige wahre Übel sondern der Schattenwurf des Himmels auf die Erde.

29.

Bei der Erschaffung der Welt nun möge unsere Auffassung vom Bösen einstweilen noch zurückgestellt werden1, um nicht den Anschein zu wecken, mit Häßlichem Gottes Werk und der Schöpfung Schönheit zu entstellen, zumal da es im folgenden heißt: “Und der Geist Gottes war über den Wassern schwebend“2. Mögen auch einige Autoren ersteren von der Luft verstehen, andere vom [S. 38] Hauche des Lebensodems, den wir aus- und einatmen, so verstehen wir doch im Einklange mit der Auffassung der Heiligen und Gläubigen den Heiligen Geist darunter, so daß also bei der Weltschöpfung das Wirken der Trinität aufleuchtet3. Voraus ging nämlich: „Im Anfang hat Gott den Himmel und die Erde geschaffen“, d. i.: In Christus hat Gott geschaffen, oder: der Sohn Gottes hat als Gott geschaffen, oder: durch den Sohn hat Gott geschaffen, indem „alles durch ihn geschaffen ist und ohne ihn nichts geschaffen ist“4. Noch war nachzutragen die Fülle der Wirksamkeit im Geiste; denn so steht geschrieben: „Durch das Wort des Herrn sind die Himmel gefestigt und durch seines Mundes Hauch (Geist) all ihre Kraft“5. Wie wir also durch das Psalmwort über die Wirksamkeit des Wortes, d. i. des Wortes Gottes, sowie über die Kraft belehrt werden, die der Heilige Geist (den Himmeln) verlieh, so ertönt hier wie im Echo der prophetische Ausspruch: „Es sprach Gott“ und: „Es schuf Gott“, desgleichen: „Der Geist Gottes war schwebend über den Wassern“. Während der Himmel der Ausschmückung sich erfreuen sollte, schwebte, wie es so schön heißt, über der Erde, die sprossen sollte, der Geist Gottes; denn ihm verdankten die Samen für die neuen Erzeugnisse ihre Triebkraft nach des Propheten Wort: „Sende Deinen Geist und sie werden geschaffen, und Du erneuest das Angesicht der Erde“6. Der syrische Text, der mit dem hebräischen sich nahe berührt und zumeist wörtlich damit sich deckt und übereinstimmt, hat so: „Und der Geist Gottes brütete über den Wassern“, d. i. belebte sie7: er zwang sie zur Hervorbringung neuer Geschöpfe und weckte sie durch sein Brüten zum Leben. Denn auch vom Heiligen Geiste lesen wir, daß er der Schöpfer ist. So spricht Job: „Gottes Geist ist’s, der mich geschaffen hat“8. Sei es also, daß es der Heilige Geist war, der über den Wassern [S. 39] schwebte: dann konnte nicht die Finsternis feindlicher Mächte dort lagern, wo so großes Gnadenwalten Platz griff; sei es daß man, wie andere wollen, die Luft darunter versteht: dann mögen sie Antwort stehen, warum vom „Geiste Gottes“ die Rede ist, nachdem der Ausdruck ‚Geist‘ genügt hätte.

1: Sieh unten 8, 31. Die förmliche Rechtfertigung der Zurückstellung wohl deshalb, weil Basilius die bezügliche Ausführung bereits an dieser Stelle bringt.
2: Gen. 1, 2.
3: Nach Basil., l. c. 6.
4: Joh. 1, 3.
5: Ps. 32, 6 [Hebr. Ps. 33, 6].
6: Ps. 103, 30 [Hebr. Ps. 104, 30].
7: Nach Basil., l. c. 6.
8: Job 33, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger