Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5) VI. Kapitel. Die vier Elemente. Der Himmel ätherisch und gewölbartig. Die Erde "im Nichts hängend" kraft des göttlichen Willens. Keine Quintessenz als Himmelssubstanz.
24. Doch diese Annahme vermochte dem Ausspruch des Propheten nicht zu derogieren, der noch dazu durch die göttliche Majestät des Herrn Jesus Christus, unseres Gottes, im Evangelium seine Bestätigung fand. Es sprach nämlich David: "Im Anfange hast Du, o Herr, die Erde gegründet, und Deiner Hände Werk sind die Himmel. Sie werden vergehen, Du aber bleibst. Und alles wird altern wie ein Kleid und wie ein Gewand wechselst Du es, und es ist gewechselt. Du aber bist derselbe, und Deine Jahre werden kein Ende nehmen". Und das bestätigte nun der Herr in Evangelium so bestimmt, daß er erklärte: "Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen". Nichts denn bezwecken jene, welche, um die Ewigkeit des Himmels behaupten zu können, eine fünfte ätherische Körpersubstanz einführen zu sollen glaubten; müssen sie doch ebenso [wie wir] merken, daß ein Fremdkörper auch nur in einem Gliede dem Organismus gewöhnlich mehr nachteilig ist. Beachte zugleich, wie David auch dadurch, daß er die Erde an erster Stelle nannte und dann erst den Himmel, letzteren als Geschöpf Gottes erklären zu sollen glaubte; denn wenn "er sprach und sie waren geschaffen", ist es [an sich] belanglos, was man zuerst nennt, da ja beide zugleich geschaffen wurden 'zugleich', damit es nicht den Anschein gewänne, als sei dem Himmel wenigstens in der Form die Prärogative göttlicher Substanz zugesprochen, daß er wegen seines Vorrechtes als Erstlingsgeschöpf für vorzüglicher gehalten werden müsse. Überlassen wir denn jene [Weltweisen], die sich selbst gegenseitig in ihren Streitreden widerlegen, ihren Streitigkeiten. Uns aber genügen zum Heile nicht strittige Meinungen, sondern wahre Lehren, nicht sophistische Begründungsweise, sondern der gläubige Sinn, um lieber als einem Geschöpfe dem Schöpfer dienstbar zu sein, der da ist "Gott hochgelobt in Ewigkeit".
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