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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
IV. Kapitel. "Im Anfang" (Gen 1,1): Der Schöpfungsanfang ein Schöpfungsfrühling, die Osterzeit. Christus, der mystische Anfang. Anfang gleichbedeutend mit Inbegriff.

13.

Wir könnten dies ebenso auch von der folgenden Stelle annehmen: „Dieser Monat (Nisan) soll euch der Anfang der Monate sein“1. Sie muß freilich auch zeitlich verstanden werden, weil eben vom Pascha des Herrn die Rede war, dessen Feier in den Frühlingsanfang fällt2. An diesem „Anfang der Monate“ nun hat [S. 18] Gott den Himmel und die Erde geschaffen; denn die Entstehung der Welt sollte zu der Zeit statthaben, da allen Dingen warmer günstiger Frühlingshauch wehte. So spiegelt denn das Jahr das Bild der werdenden Welt wider: Auf Winterfrost und Winternacht erstrahlt freundlicher denn sonst des Frühlings Pracht. Ein Bild der künftigen Jahresläufte also bot das erste Entstehen der Welt: Demselben Gesetze folgend ziehen im Wechsel die Jahreszeiten herauf und sproßt zu Beginn jedes Jahres die Erde neue keimende Saat hervor, seitdem zum ersten Mal Gott der Herr gesprochen hatte: „Es sprosse die Erde das Grün des Grases, Samen treibend nach seiner Art und nach seiner Beschaffenheit, und fruchttragende Fruchtbäume. Und sogleich brachte die Erde das Grün des Grases hervor und die Fruchtbäume“3. Sowohl die göttliche Vorsehung, die ewig lenkende, als auch die rasch sprossende Erde sprechen für unsere Deutung auf die Frühlingszeit. Denn wenn es auch zu jedweder Zeit Gott zugestanden hätte, zu gebieten, der Erdennatur, zu gehorchen, so daß sie auch bei Wintereis und Winterfrost unter dem belebenden Hauche des himmlischen Gebotes geknospet und Frucht getrieben haben würde, so lag es doch nicht im ewigen Ratschlusse, vor eisiger Kälte starrende Flächen mit einem Mal zu grünen Fruchtgefilden auftauen zu lassen und in rauhen Frost zarte Blüten zu streuen. Um also die Frühlingszeit bei der Erschaffung der Welt anzuzeigen, spricht die Schrift: „Dieser Monat ist euch der Anfang der Monate, der erste ist er euch unter den Monaten des Jahres“, mit dem „ersten Monat“ die Frühlingszeit bezeichnend. Denn füglich sollte der Schöpfung Anfang mit dem Jahresanfang zusammenfallen und die Schöpfung selbst durch linder Lüfte Wehen befruchtet werden. Sonst wären nämlich der Dinge zarte Anfänge nicht imstande gewesen, sei es den Druck allzu rauher Kälte zu ertragen, sei es die Unbill versengender Hitze zu überstehen.

1: Exod. 12, 2.
2: Cf. Verg., Georg. II 336 ff. Die kurz eingestreuten obigen Naturschilderungen enthalten reiche Anklänge im einzelnen an diese Vergilverse.
3: Gen. 1, 11 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger