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Ephräm d. Syrer († 373) - Erklärung des Evangeliums
I.

[p. 266, 1. Abs.]

Aber wann wir nach Art des Eisens1 das Evangelium der Erlösung2 in die Hand nehmen und auflesen [und] wegschaffen von uns alt diese Werke der Schlechtigkeiten und dann das Fundament des Glaubens auf unsere Herzen, auf felsigen Grund legen, wenn unser Sinn von allem Bösen gereinigt ist und wenn [dann] die Fundamente des Gebäudes gelegt werden, alsdann sind wir sowohl Arbeiter als auch Baumeister. Und wie es nicht der Fall ist beim Baumeister, wenn ihm überhaupt irgend etwas fehlen [S. 11] sollte, daß irgend [anders] wohin geht,3 sondern an die Türe des Herrn des Werkes, so sollen auch wir wissen, daß der reich ist, der der Herr unseres Werkes ist, von dem wir ein Angeld4 genommen haben, ihm dieses Gebäude zu bauen. Denn alles, was uns überhaupt als Material für das Werk des Lebens mangeln wird, werden wir von ihm begehren: die Heiligkeit, Barmherzigkeit, Liebe, Munterkeit, Bruderliebe, und er selbst gibt uns von seinen guten Schätzen mit seiner vollen Hand [und gestattet uns],5 daß wir seine Tür betreten und von ihm erbitten [was uns not tut]. Und in all diesem ist die Lehre6 unseres Herrn Gebäuden gleich.

Und wiederum hat unser Herr seinen Glauben7 mit dem Weine verglichen darin, daß er sagt: "Niemand gießt8 neuen Wein in alte Schläuche, sonst sprengt der neue Wein die alten Schläuche, der Wein wird verschüttet und die Schläuche gehen zu Grunde, sondern sie gießen9 den neuen Wein in neue Schläuche".10 Was nun werden etwa die meinen, die [so] vergleichen? Etwa, daß das Neusein dem Altsein fremd11 ist? Werden sie vielleicht meinen, daß die alten Schläuche von Haus aus12 alt gewesen sind und daß sie niemals neu gewesen sind? Jedem Menschen ist es klar, daß sie, als Gott sie schuf oder als ihr Meister sie machte, neu waren und die Kraft des neuen Weines aushielten; nachher, als sie alt geworden waren, hielten sie die Kraft des neuen Weines nicht aus. So waren auch wir von unserer ersten Erschaffung her neu, schön und wohlgestaltet, um den Unterricht der Lehre Gottes zu empfangen wegen der Sündenlosigkeit der Kindheit. Und hinwieder nach vielen unserer Jahre, während wir rein sind vom Bösen wie ein Kind, halten wir es aus, die Kraft der neuen Lehre aufzunehmen, wie neue Schläuche, die die Kraft des neuen Weines aushalten. Darauf, wenn wir befleckt13 geworden sind und [S. 12] abgenutzt14 in den Begierden der Tollheit, in dem Abfall des Geizes15 und in der Trunkenheit der Unzucht, wann wir verwundet und morsch geworden in unseren Sünden und Gottlosigkeiten aufgebraucht sind, alsdann können wir den Unterricht der Lehre nicht aufnehmen.

1: D. i. das eiserne Instrument des Baumeisters, von dem vorhin die Rede war.
2: Am Rande der armen. Hs steht für "Erlösung" "Wahrheit".
3: Ergänze: "um es zu beschaffen".
4: Pfand.
5: Das Eingeklammerte habe ich aus dem vorhergehenden "gibt uns" wiederholt.
6: Hier steht "Lehre", während zu Beginn der Darlegung "Glaube" steht (p. 262, Abs. 2), ebenso im folgenden.
7: Oder: "den Glauben an ihn"; ich lassen "seinen Glauben stehen in dem Sinne: "Glaube (fides quae creditur), den unser Herr gelehrt hat."
8: wirft.
9: werfen.
10: Mt 9,17; Mk 2,22; Lk 5,37 f.
11: Sinn: "daß Neusein und Altsein sich ausschließen".
12: von ihrer Natur her.
13: beschmutzt.
14: verbraucht.
15: "Abfall des Geizes" = Geiz, der Abfall von Gott ist. Vgl. Mt 6,24; Lk 16,13 und besonders Eph 5,5; Kol 3,5.

 

 

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Vorwort zur Erklärung des Evangeliums

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger