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Ephräm d. Syrer († 373) - Erklärung des Evangeliums
I.

[p. 265, Abs.]

Deswegen hat unser Herr seinen Glauben Gebäuden verglichen, darin, daß er sagt: "Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie tut, der ist gleich geworden einem verständigen Manne, der sich das Haus baute, grub und vertiefte und das Fundament auf harten Felsen legte".1 Und hierin, daß er sagt "grub und vertiefte", macht er uns klar, daß die Erneuerung und Festigkeit,2 die der Unterricht der Lehre vorfindet,3 nicht nur kommend zu uns kam, sondern schon längst in uns war. Und wenn wir4 fortfahren würden mit Graben, woher würden wir stehen bleiben [S. 10] auf der Wahrheit, wenn sie nicht vom Vater zu uns gekommen wäre von Anfang her, von Ewigkeit?5 Und wenn wir auf jenen Stein des Felsens, in dem wir versinnbildet sind, hinblicken, so sehen wir, daß er fest ist von seiner ersten Erschaffung an. Und wann er niedersinkend fällt, wird seine Festigkeit von jenem Fallen und Zertrümmertwerden zertrümmert, und der Baumeister nimmt ein festes eisernes Werkzeug und gräbt [und] nimmt von ihm die überflüssige Erde und den abgebröckelten Lehm und legt sein Fundament auf felsigen festen Stein, der die Wucht der Bauten aushalten kann. So waren auch wir in unserer Kindheit heilig und unschuldig in der Lehre der Gottheit, und wenn die Festigkeit unserer Treue6 in die Unreinigkeit der Unzucht und in Begierde der Tollheit fällt, alsdann können wir die Wucht der Festigkeit des Gebäudes nicht aushalten.

1: Lk 6,47 f. (vgl. Mt 7,24).
2: Feststehen.
3: in Empfang nimmt, aufnimmt.
4: Statt der 1. pers. sing (xxx) lese ich die 1. pers. plur.(xxx).
5: Die Stelle richtet sich wohl gegen Markion, nach dessen Lehre die Wahrheit nicht immer in der Welt war, sondern erst mit Christus gekommen ist, des weiteren aber besonders gegen die gnostische Lehre, daß die menschliche Natur, wie alles Erschaffene, der Substanz nach böse sei. Der Sinn der obigen Worte kann wohl nur dieser sein: Man gräbt in die Tiefe, um das Gebäude auf Felsengrund zu stellen. Auch das Glaubensgebäude muß auf festem Fundamente ruhen. Der feste Grund ist die Wahrheit, die tief drinnen in unserem Herzen sein muß, wenn wir durch tiefer und tiefer Graben auf sie stoßen wollen. Und das ist der Fall. Denn von allem Anfange ist die Wahrheit bei uns gewesen. Es handelt sich hier mehr um die Wahrheit in der Welt, als in der Seele. Aber, wie das folgende zeigt, bezieht der Verfasser das auch auf die Seele. Merkwürdig dürfte jedenfalls die Gnadenlehre des Verfassers aussehen. Denn der Verfasser will weit mehr sagen, als: anima naturaliter christiana und vor allem mehr, als daß die Natur eine potentia obedientialis gegenüber der Gnade hat. Was der Verfasser hier und anderswo sagt, dürfte konsequent zum Pelagianismus führen.
6: Wahrheit.

 

 

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Vorwort zur Erklärung des Evangeliums

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger