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Ephräm d. Syrer († 373) - Erklärung des Evangeliums
I.

[p. 289, Abs.]

Und dann, daß unser Herr sagt: "Wer dir einen Schlag auf deine Wange versetzt, dem biete du auch die andere dar, und wer dir dein Wams fortnimmt, dem gib dein Hemd; wer immer etwas von dir begehrt, versag [es] ihm nicht, und wer irgend etwas von dem deinigen nimmt, nicht fordere du es von ihm [zurück]",1 dies alles vermögen Trunkene zu tun.2 Denn wenn [S. 15] wir trinken, berauscht werden und untertauchen in dem Unterricht der Lehre unseres Herrn, dann vermögen auch wir dies alles zu tun. Denn den Trunkenen schlagen sie, und er lacht darüber,3 er verhert, und er sucht nicht; sie entreißen, nehmen fort irgend etwas, was er hat, und er merkts nicht; sie verlachen ihn, er beachtet es gar nicht. So auch wir, wann wir den Unterricht der Lehre unseres Herrn trinken, die4 da selbst Fröhlichmacher ist, und durch sie trunken werden, vermögen alsdann, alles dies zu tun, was wir gehört haben. Wenn die götzendienerischen Heiden uns verlachen und höhnisch verspotten werden,5 jene, die ledig, entblößt und beraubt sind dieses Weines, den wir getrunken haben: für nichts erachten wir unserer Trunkenheit wegen ihr Gespött; und wenn sie uns in etwas verleumden, so liegt uns gar nichts daran, Haß und Groll hegen wir nimmer. Auch die schlimmen Leiden vermag der Wein vergessen zu machen; denn wenn einer zum Tode verurteilt ist, und sie ihn wegnehmen, um ihn zu töten, geben sie ihm Wein zu trinken, damit er furchtlos und kummerfrei sei;6 so auch werden die Gläubigen, wann sie den Unterricht der Lehre unseres Herrn trinken, trunken; wird ein solcher des Todes in den Augen der Richter schuldig, so stirbt er furchtlos, und für nichts erachten sie den Schrecken und die Furcht vor den Richtern, weil sie von dem Unterricht der Lehre unseres Herrn getrunken haben. Deshalb ist der Unterricht der Lehre unseres Herrn dem Weine verglichen worden.

1: Lk 6,29 f.; Mt 5,39 f.
2: Ephräm (Moes. 69f.) scheint diese Ausführungen gekannt, aber umgedeutet zu haben; da sie viel gesuchter sind, als die unseres Schriftstellers, dürfte diesem die Priorität gebühren. Ich sage: "scheint gekannt zu haben", denn Ephräm kann ebensogut: "omnis homo bonum vinum prius apponit, deinde leve" (Moes. 65) im Auge gehabt haben.
3: Wörtlich "tut ein Gelächter".
4: Oder: der.
5: Wörtlich: "zum Spott und Gelächter der Verhöhnung machen".
6: Vgl. den Myrrhenwein, der Jesus bei seiner Kreuzigung dargereicht wurde,

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger