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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
III. Kapitel. Die zeitlose Schöpfung und der zeitlose Schöpfungsakt. Gott der Schöpfer der Welt. Der zeitliche Anfang der Welt. Dem Anfang entspricht notwendig das Ende der Welt.

9.

Du staunst über das Werk, fragst nach dem Meister: wer dem so gewaltigen Werke den Anfang gegeben, wer es so plötzlich ins Dasein gerufen? Da fügte er (Moses) auch schon die Antwort bei: „Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen“. Du hast den Schöpfer vernommen, darfst nicht zweifeln. Dieser ist’s, in welchem Melchisedech den Abraham, den Stammvater der vielen Völker, gesegnet hat mit den Worten: „Gesegnet [S. 14] sei Abraham von Gott dem Höchsten, der geschaffen hat den Himmel und die Erde!“1 Und es glaubte Abraham und sprach: „Ich hebe meine Hand auf zu Gott dem Höchsten, der geschaffen hat den Himmel und die Erde“2. Du siehst, das ist nicht eines Menschen Einfall, sondern Gottes Botschaft. Gott nämlich ist der Melchisedech; denn er ist „der König des Friedens und der Gerechtigkeit“3, „ohne Anfang und Ende seiner Tage“4. Kein Wunder also, wenn Gott, der Anfangslose, allen Dingen den Anfang gegeben hat, so daß sie, die Nichtseienden zu sein anfingen. Kein Wunder, wenn Gott, der alles mit seiner Macht umfängt und alles mit unbegreiflicher Hoheit in sich begreift, die sichtbare Welt geschaffen hat, nachdem er auch die unsichtbare Welt geschaffen hat. Wer möchte aber leugnen, daß dem Unsichtbaren der Vorzug vor dem Sichtbaren gebührt? Ist doch „das Sichtbare zeitlich, ewig hingegen das Unsichtbare“5. Wer möchte zweifeln, daß Gott dies geschaffen hat, der durch den Mund des Propheten gesprochen: „Wer maß mit der Hand das Wasser und mit der Spanne den Himmel und mit der geschlossenen Hand die ganze Erde? Wer wog die Berge nach dem Gewicht und die Felsmassen nach der Wage und das Gelände nach dem Joch? Wer nahm Einsicht in den Geist des Herrn, oder wer war ihm Berater, oder wer unterwies ihn?“6 Auch an einer anderen Stelle lesen wir von ihm: „Er hält den Umkreis der Erde und hat die Erde wie ein Nichts geschaffen“7. Und Jeremias ruft aus: „Die Götter, welche den Himmel und die Erde nicht geschaffen haben, sollen verschwinden von der Erde und unter dem Himmel dort! Der Herr ist’s, [S. 15] der geschaffen die Erde in seiner Macht und geordnet den Erdkreis in seiner Weisheit und in eigener Einsicht ausgespannt den Himmel und die Menge des Wassers am Himmel“8. Und er fügte bei: „Betört ward der Mensch von seinem Wissen“9. Wie sollte denn einer, der den vergänglichen Dingen der Welt folgt und aus diesen die Wahrheit über Gottes Natur erfahren zu können glaubt, nicht durch die Kniffigkeit der gewandten Sophistik betört werden?

1: Gen. 14, 19.
2: Gen. 14, 22.
3: Melchisedech = ‚König der Gerechtigkeit‘. Ambrosius nimmt in seine etymologische Deutung zugleich den Namen der Stadt des Priesterkönigs שָׁלֹום) שָׁלֵם) = ‚Friede‘ auf. Vgl. Hebr. 7, 2.
4: Hebr. 7, 3.
5: 2 Kor. 4, 18.
6: Is. 40, 12 f.
7: Vgl. Is. 40, 22 f.
8: Jer. 10, 11 ff.
9: Jer. 10, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger