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Laktanz († nach 317) - Gottes Schöpfung (De opificio Dei)

IX. Hauptstück. Über die Sinne und deren Tätigkeit.

§ 1. Ich will hier auch die törichte Behauptung jener widerlegen, die, um die Täuschung der Sinne nachzuweisen, viele Beweise für Täuschungen, die durch den Gesichtssinn erfolgten, vorbringen, darunter auch die Tatsache, daß die Rasenden alles doppelt sähen, gleich als ob die Veranlassung zu diesem irrtümlichen Sehen unbekannt wäre. Doch höre, wie das kommt.

§ 2. Das kommt nämlich daher, daß es zwei Augen gibt. Das Sehen kommt durch Geistesanspannung [S. 253] zustande. Da aber der Geist, wie oben behauptet wurde, der Augen gewissermaßen als Fenster sich bedient, so widerfährt dies nicht bloß den Trunkenen oder Wahnsinnigen, sondern auch den Gesunden und Nüchternen. Wenn man nämlich dem Gesichte etwas zu nahe bringt, so sieht man es doppelt. Es gibt nämlich einen gewissen Abstand, wo die Sehschärfe [beider Augen] zusammentrifft.

§ 3. Desgleichen konvergieren die beiden Augenachsen nicht mehr, wenn man den Geist nach innen kehrt, und die Anstrengung des Sinnes daher nachläßt — dann sieht jedes Auge für sich. Wenn man den Geist wieder anstrengt und die Augenachsen [auf etwas] richtet, so vereinigt sich, was doppelt gesehen wurde, wieder zu einem Bilde.

§ 4. Was Wunder also, wenn der Geist, durch das starke Gift des Weines unfähig geworden, sich zum Sehen nicht anschicken kann, wie auch die schwachen Füße, wenn die Nerven versagen, zum Gehen nicht befähigt sind — oder wenn der aufs Gehirn drückende Wahnsinn das einheitliche Sehen stört? Das jedoch ist wahr, daß den Einäugigen, wenn sie entweder wahnsinnig oder trunken werden, niemals das Doppeltsehen passiert.

§ 5. Wenn also ein Grund für die Täuschung der Augen angegeben wird, so ist es klar, daß die Sinne nicht trügen. Die Sinne täuschen also nicht, wenn sie rein und unversehrt sind — oder es unterliegt doch nicht, auch wenn sie sich täuschen, der Verstand der Täuschung, da er deren Verirrungen kennt. _______________________

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger