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Laktanz († nach 317) - Gottes Schöpfung (De opificio Dei)

XIII. Hauptstück. Über die unteren Gliedmaßen.

§ 1. Ich könnte dir nun die wunderbare Beschaffenheit der Geschlechtsorgane selber auseinandersetzen, wenn mich nicht das Schamgefühl davon abhielte. Demnach werde von uns mit dem Mantel der Scham die Scham bedeckt.

§ 2. Was diese anbelangt, so genüge, darüber Klage zu führen, daß ruchlose Menschen das größte Unrecht begehen, die dieses wunderbare und mit unerforschlichem Ratschlusse zur Erzeugung von Nachkommen geschaffene Organ entweder zu schändlichem Gewinne oder zu Werken schändlicher Lust in verkehrter Weise gebrauchen, so daß sie von dieser höchst ehrbaren Sache nichts anderes als nur das gehaltlose Vergnügen verlangen.

§ 3. Ferner, entbehren etwa die übrigen Glieder des Zweckes oder der Schönheit? Das an den Hinterbacken sich verdickende Fleisch, wie gut dient es zum Sitzen! Dieses ist fester als bei den übrigen Gliedern, damit es sich nicht etwa infolge des drückenden Körpergewichtes von den Knochen löse.

§ 4. Desgleichen die langen, starken, mit breiten Wülsten versehenen Oberschenkel, damit sie um so leichter das Körpergewicht aushielten; diese finden allmählich wieder ihren Abschluß bei den Knien, deren hübsches Gelenk das Beugen der Füße zum Gehen und beim Sitzen ermöglicht.

§ 5. Desgleichen die Unterschenkel, nicht gleichmäßig verlaufend, damit ihre unschöne Gestalt die Füße nicht entstelle, sondern durch die schlanken, sanft heraustretenden und allmählich sich verdünnenden Waden fest und anmutig gestaltet.

[S. 267] § 6. An den Füßen zeigt sich eben dieselbe und doch wieder verschiedene Beschaffenheit wie bei den Händen. Da die Füße gewissermaßen das Fundament des ganzen Baues bilden, so hat sie der Schöpfer nicht rundlich geschaffen, da ja der Mensch sonst nicht stehen könnte oder noch anderer Füße zum Stehen bedürfte wie die Vierfüßler, sondern er hat sie etwas länglich gebildet, um den Leib durch ihre Flächenausdehnung [planities] aufrechtzuerhalten, daher der Name „planta“.

§ 7. An den Füßen finden sich geradesoviel Zehen als Finger an den Händen, doch bloß mehr zum Scheine als zum Gebrauche; darum sind sie miteinander verbunden, kurz und stufenweise angeordnet! Darunter ist die große Zehe, da sie sich nicht, wie der Daumen an der Hand von den übrigen Fingern, so von den anderen Zehen unterscheiden sollte, so angebracht, daß sie sich von den anderen nur durch ihre Größe unterscheiden und mäßig abstehen sollte.

§ 8. Diese so auffallende Gleichheit erleichtert nicht wenig das Auftreten; wir können nämlich nicht laufen, wenn wir die Zehen nicht auf den Boden drücken, und eben dadurch, daß diese sich auf den Boden stützen, bekommen wir zum Laufe Schwung.

§ 9. Ich glaube, alles dasjenige, dessen Bedeutung erkannt werden kann, dargelegt zu haben. Nun komme ich zum Zweifelhaften oder Unklaren.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger