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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

67. Das tausendjährige Reich.

Jetzt öffnet sich der Himmel im tiefen Schweigen der Nacht, und Christus steigt mit großer Macht herab; feuriger Glanz geht vor ihm her und dann eine unzählbare Schar von Engeln; die ganze Menge der Gottlosen wird ausgetilgt, in Strömen fließt das Blut. Der Führer selbst entkommt, erneuert mehrmals das Heer und liefert eine vierte Schlacht. In dieser wird er gefangen und mit allen übrigen Tyrannen dem Feuer überantwortet. Aber auch der Fürst der Dämonen selbst, der Urheber und Anstifter der Übel, wird in Ketten geschlagen und in Gewahrsam gebracht, auf daß die Welt Friede erhalte und die so viele Jahrhunderte lang [S. 216] mißhandelte Erde zur Ruhe komme. Nachdem so der Friede hergestellt und alles Böse unterdrückt ist, wird jener gerechte und siegreiche König ein großes Gericht über Lebende und Tote auf Erden halten, und zwar wird er den Gerechten, die noch am Leben sind, die sämtlichen heidnischen Völker zur Dienstbarkeit überlassen, die Gerechten aber, die verstorben sind, wird er zum ewigen Leben auferwecken, und selbst auf Erden mit ihnen herrschen und die heilige Stadt gründen; und dies ist das Reich der Gerechten, tausend Jahre lang. Während dieser Zeit erstrahlen glänzender die Sterne, die Sonne nimmt an Helligkeit zu, der Mond wird keine Abnahme mehr erleiden. Da steigt von Gott "Regen der Segnung" herab am Morgen und am Abend; alle Frucht erzeugt die Erde ohne Mühe der Menschen. Honig in Fülle träufelt von den Felsen, Quellen von Milch und Wein brechen hervor. Die Tiere der Wälder legen ihre Wildheit ab und sänftigen sich; der Wolf schweift unschädlich zwischen den Schafen, das Kalb weidet mit dem Löwen, die Taube schart sich mit dem Habicht; die Schlange hat ihr Gift nicht mehr; kein Wesen lebt mehr von Blut; denn allen verschafft Gott reichliche und schuldlose Nahrung1.

Nachdem aber die tausend Jahre verflossen sind, wird der Fürst der Dämonen wieder gelöst; die Völker erheben Aufruhr wider die Gerechten, und es erscheint eine unzählbare Menge, um die Stadt der Heiligen zu erstürmen. Jetzt findet das letzte Gericht Gottes wider die Völker statt. Gott erschüttert die Erde in ihren Grundfesten; die Städte stürzen zusammen. Feuer mit Schwefel und Hagel regnet auf die Gottlosen herab; sie werden vom Brande ergriffen und machen sich wechselseitig nieder. Die Gerechten aber bergen sich eine Weile unter der Erde, bis daß die Vernichtung der Heiden erfolgt ist; und nach drei Tagen treten sie ans Licht hervor und sehen die Ebene mit Erschlagenen bedeckt.

[S. 217] Dann tritt eine Erderschütterung ein; die Berge spalten sich, die Täler senken sich zu unermeßlicher Tiefe; und in diese werden die Leiber der Erschlagenen zusammengehäuft, und der Name der Tiefe ist "Grab für viele" (Polyandrium). Hierauf erneuert Gott die Welt und wandelt die Gerechten in die Gestalt der Engel um, auf daß sie im Gewande der Unsterblichkeit für immer und ewig Gott dienen. Und das ist das Reich Gottes, das kein Ende haben wird. Dann werden auch die Gottlosen auferstehen, aber nicht zum Leben, sondern zur Pein. Auch sie wird Gott bei der zweiten Auferstehung erwecken; aber sie werden zu immerwährenden Qualen verurteilt und ewigen Feuergluten überantwortet, um die verdienten Strafen für ihre Verbrechen zu erleiden.

1: Is. 65, 25. Es begreift sich leicht, daß die Christen der damaligen Zeit unter dem grausamen Druck einer langdauernden Verfolgung sehr empfänglich waren für die lieblichen Vorstellungen des tausendjährigen Reiches.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger