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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

66. Die letzten Zeiten.

Folgendes sind die Ereignisse, die von den Propheten wie von den Sehern vorausgesagt sind. Wenn der Welt allmählich das letzte Ende naht, dann nimmt die Bosheit Überhand und alle Arten von Lastern und Freveln vervielfältigen sich; die Gerechtigkeit geht unter, Treue, Friede, Barmherzigkeit, Scham und Wahrheit sind nicht mehr, Gewalt und Vermessenheit gewinnt die Oberhand; niemand besitzt mehr ein Eigentum, das er nicht mit der Faust erworben und mit der Faust verteidigt hat. Wenn es noch Gute gibt, so sind sie Gegenstand der Plünderung und des Gespöttes. Niemand erweist Liebe den Eltern, niemand erbarmt sich des Kindes und des Greises; Habsucht und Lüsternheit verdirbt alles. Mord und Blutvergießen ist allgemein; Kriege herrschen nicht bloß mit auswärtigen und angrenzenden Völkern, sondern auch unter den eigenen Volksgenossen. Eine Stadt liegt mit der anderen im Kampf, jedes Geschlecht und Alter handhabt die Waffen. Den [S. 214] Befehlshabern bleibt nicht die Würde und nicht dem Waffendienste die Zucht; wie bei Raubzügen herrscht Plünderung und Verwüstung. Es bilden sich viele Königreiche; zehn Männer reißen den Erdkreis an sich, um ihn zu teilen und zu verschlingen; da tritt ein anderer auf, der weit mächtiger und nichtswürdiger ist; dieser vernichtet drei von den Königen, bringt die übrigen in seine Gewalt, verbündet sich mit ihnen und bedrückt die gesamte Erde. Neue Gesetze stellt er auf, alte schafft er ab; den Staat betrachtet er als sein Eigentum und ändert Name und Sitz des Reiches. Es wird dann eine fluchwürdige Zeit sein, in der niemand mehr Freude am Leben hat. Schließlich geraten die Dinge in einen solchen Zustand, daß man die Lebenden beklagt und die Toten beglückwünscht. Städte und Flecken gehen zugrunde, bald durch Feuer und Schwert, bald durch häufige Erdbeben, bald durch überflutende Wasser, bald durch Seuchen und Hunger. Die Erde bringt keinen Ertrag mehr hervor; sie ist unfruchtbar durch das Übermaß von Kälte oder von Wärme. Alles Wasser verwandelt sich teils in Blut, teils schlägt es in Bitterkeit um, so daß nichts mehr für Speisen brauchbar oder zum Trinken heilsam ist. Zu diesen Übeln gesellen sich noch Schreckzeichen vom Himmel, damit den Menschen nichts fehle, was Furcht erregt. Häufig ist das Erscheinen von Haarsternen; die Sonne umdüstert sich zu immerwährender Blässe, der Mond färbt sich in Blut und ergänzt nicht mehr die Einbuße des verlorenen Lichtes; die Sterne fallen sämtlich vom Himmel; den Zeiten bleibt nicht mehr ihre Gesetzmäßigkeit, Winter und Sommer sind vermengt. Dann kürzt sich auch das Jahr und der Monat und der Tag; und dies ist "das Alter und die Ermattung der Welt", von der Trismegistus geweissagt hat. Wenn diese Dinge eintreten, dann mag man wissen, daß die Zeit da ist, in der Gott zur Umwandlung der Welt wiedererscheinen wird. Während des Andauerns dieser Übel erhebt sich ein gottloser König, der nicht nur dem menschlichen Geschlechte, sondern auch Gott abhold ist. Was jener frühere Tyrann noch übrig gelassen, das wird dieser zertreten, quälen, martern und töten. Nun gibt es kein Aufhören der Tränen mehr und [S. 215] keine Unterbrechung der Seufzer; vergeblich sind die Bitten zu Gott; da ist kein Ausruhen mehr von dem Grauen und kein Schlaf mehr zur Erquickung. Der Tag mehrt immer das Unheil, und die Nacht stets die Furcht. So sinkt der Erdkreis fast zur Verödung herab, wenigstens werden spärlich die Menschen. Dann wird auch jener gottlose König die gerechten und gottgeweihten Menschen zweiundvierzig Monate lang verfolgen und sich selbst göttlich verehren lassen; denn er wird sich für Christus ausgeben, dessen Widersacher er ist. Und um sich Glauben zu verschaffen, wird er die Macht empfangen, Wunderbares zu wirken, so daß Feuer vom Himmel fällt, die Sonne stillsteht in ihrem Laufe, ein Bild, das er aufgestellt hat, zu reden beginnt. Durch diese Wunderzeichen wird er viele dazu verlocken, ihn anzubeten und sein Zeichen auf Hand oder Stirne zu empfangen. Und wer ihn nicht anbetet und das Zeichen nicht annimmt, der stirbt unter ausgesuchten Qualen. Auf diese Weise rottet er ungefähr zwei Dritteile der Menschen aus; der übrige Teil flieht in verlassene Wüsteneien. Aber jener Rasende, der in unversöhnlichem Zorne wütet, rückt mit dem Heere an und belagert den Berg, auf den sich die Gerechten geflüchtet haben. Nachdem diese sich umlagert sehen, rufen sie mit lauter Stimme zu Gott um Hilfe, und Gott erhört sie und schickt ihnen einen Retter.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger