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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

62. Die Buße.

Aber all diese Dinge sind schwierig für den Menschen, und der Zustand der menschlichen Gebrechlichkeit gestattet nicht, daß jemand ohne Sünde bleibe. Es bleibt daher als letztes Heilmittel noch die Zuflucht zur Buße übrig, und diese nimmt nicht den untersten Platz unter den Tugenden ein. Denn die Buße ist die Zurechtweisung seiner selbst, indem wir nach einer möglichen Verschuldung in Wort oder Werk sogleich wieder zu uns kommen, unseren Fehltritt eingestehen und Gott um Verzeihung bitten; und diese wird er nach seiner Barmherzigkeit niemand versagen außer denen, die in der Verirrung verharren. Groß ist die Hilfe der Buße und groß der Trost. Sie ist die Heilung für die Wunden der Sünden, sie ist die Hoffnung und der Hafen des Heils; wer die Buße wegnimmt, der versperrt sich den Weg zum Leben; denn niemand kann so gerecht sein, daß ihm niemals die Buße zur Notwendigkeit würde. Wir aber müssen uns, selbst wenn wir keine Übertretung auf uns hätten, doch vor Gott als Schuldner bekennen und immer wieder für unsere Pflichtversäumnisse Abbitte leisten und Gott Dank sagen auch in den Widerwärtigkeiten. Diesen Dienst der Unterwürfigkeit wollen wir immer Gott darbringen; denn die Demut ist in den Augen Gottes teuer und liebenswürdig. Wenn Gott lieber den eingeständigen Sünder aufnimmt als den stolzen Gerechten, um wieviel lieber wird er dann den bekennenden Gerechten aufnehmen und ihn für seine Verdemütigung in dem himmlischen Reiche erhöhen! Das sind die Gaben, die der Diener Gottes opfern muß; das sind die Schlachtopfer, dies das Opfer der Versöhnung, das er darbringen soll; das ist die wahre Verehrung, wenn der Mensch das Kostbarste seines Herzens auf den Altar Gottes legt. An einem solchen Verehrer erfreut sich jene höchste Majestät, ihn nimmt sie als Sohn [S. 207] auf und verleiht ihm die zukommende Belohnung der Unsterblichkeit.

Auf diese Unsterblichkeit muß ich nun näher eingehen, um dem Irrwahn der Philosophen zu begegnen, die an das Erlöschen der Seele mit dem Leibe glauben. Denn weil sie Gott nicht kannten, weil sie das Geheimnis der Welt nicht zu durchschauen vermochten, so haben sie auch die Aufgabe des Menschen und die Bestimmung der Seele nicht erfaßt. Wie hätten sie auch die Folgerungen überschauen können, nachdem sie die oberste Wahrheit nicht innehatten? Indem sie also das Dasein irgendeiner Vorsehung in Abrede stellten, haben sie schlechterdings auch Gott, der die Quelle und das Haupt der Dinge ist, geleugnet. Daraus ergab sich dann von selbst die Folgerung, daß das Bestehende entweder immer gewesen ist, oder von selbst geworden ist, oder durch Zusammenwürfelung winziger Samen entstanden ist. Immer kann das nicht gewesen sein, was ein sichtbares Sein hat; denn das Sichtbare kann nicht ohne irgendwelchen Anfang sein. Aus sich selbst kann nichts entstehen; denn es gibt kein Werden ohne schaffende Kraft. Und wie hätten endlich die uranfänglichen Samen entstehen können, da die Samen aus den Dingen entspringen und hinwiederum die Dinge aus den Samen? Es gibt also keinen Samen, der nicht einen Ursprung hat. So ergab sich aus der Annahme, daß die Welt ohne das Walten der Vorsehung geworden ist, die weitere Annahme, daß auch der Mensch ohne irgendwelche Zweckbestimmung entstanden ist; wenn aber bei der Bildung des Menschen kein Grundgedanke obgewaltet habe, so könne auch die Seele des Menschen nicht unsterblich sein. Im Gegensatz zu diesen Philosophen vertraten andere die Anschauung, daß ein einziger Gott ist, der die Welt geschaffen hat und der sie um der Menschen willen geschaffen hat, und daß die Seelen unsterblich sind. Diese hegten zwar wahre Gedanken, aber Grund, Bestimmung und Ziel dieses planvollen göttlichen Werkes haben sie nicht durchschaut, so daß sie das ganze Geheimnis der Wahrheit hätten zusammenfassen und wie mit einer Art Schlußstein hätten abschließen können. Was jene nicht zu tun vermochten, [S. 208] weil sie die Wahrheit nicht bis zu Ende verfolgen konnten, das obliegt uns zu tun, die wir die Wahrheit durch Gottes Offenbarung erkannt haben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger