Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

61. Die Treue und Standhaftigkeit.

Auch die Treue ist ein wichtiger Bestandteil der Gerechtigkeit; diese müssen zunächst wir bewahren, die wir von der Treue (fides) den Namen (fidelis) tragen, und vornehmlich in der Religion; denn Gott hat den Vorrang und Vorzug vor den Menschen. Wenn es ruhmvoll ist, für Freunde, für Eltern, für Kinder, d. i. für Menschen, den Tod auf sich zu nehmen, und wenn der, welcher das Opfer des Lebens bringt, langdauerndes Andenken und Lob erwirbt, um wieviel mehr muß es ehrenvoll sein, für Gott zu sterben, der für zeitlichen Tod ewiges Leben gewähren kann? Wenn daher ein solcher Zwang an uns herantritt, der uns nötigen will, von Gott abzufallen und zu den Gebräuchen der Heiden überzugehen, so soll keine Furcht, kein Schrecken uns wankend machen und abhalten, den uns überlieferten Glauben standhaft zu bewahren. Gott sei vor Augen, Gott im Herzen! Durch seine innere Hilfe werden wir den Schmerz der empfindsamen Natur und die Martern [S. 205] des Leibes glücklich überwinden. Nichts schwebe uns dann vor Augen als die Belohnungen des unsterblichen Lebens; dann werden wir, selbst wenn es zum Zerreißen oder Versengen der Gliedmaßen kommt, leicht alles ertragen, was die Sinnlosigkeit der tyrannischen Grausamkeit gegen uns ins Werk setzen wird. Und schließlich wollen wir uns bemühen, dem Tode selbst nicht widerwillig und furchtsam, sondern bereitwillig und unerschrocken ins Auge zu schauen; denn wir kennen die Herrlichkeit, die bei Gott unser wartet, wenn wir nach dem Triumph über die Welt zu den Verheißungen kommen; wir kennen die Güter und die Größe der Glückseligkeit, mit der wir diese kurzen Übel und Leiden und den Verlust des irdischen Lebens aufwiegen werden.

Wenn es indes an der Möglichkeit solchen Ruhmes gebrechen sollte, so hat doch die Treue auch im Frieden ihren Lohn. Halten wir daher in allen Obliegenheiten des Lebens die Treue fest, und besonders auch die Treue im Stand der Ehe; denn es ist nicht genug, bloß fremde Ehe nicht anzutasten oder öffentliche Häuser zu meiden. Wer eine Gattin hat, suche nichts draußen, sondern sei zufrieden mit ihr allein und beobachte die heiligen Verpflichtungen eines keuschen und unentweihten Lagers. Denn Ehebruch und Unzucht begeht der vor Gott, welcher das Joch abwirft und mit einer Freien oder Sklavin unverstatteter Lust frönt. Aber wie das Weib durch die Bande der Keuschheit gebunden ist, daß sie nach nichts anderem verlangen darf, so verpflichtet das nämliche Gesetz auch den Mann, nachdem Gott Mann und Gattin zu alleiniger Angehörigkeit unauflöslich verbunden hat. Darum gebietet Gott, die Gattin nicht zu entlassen, außer sie wäre des Verbrechens des Ehebruchs überführt, auf daß niemals das Band des ehelichen Bündnisses, außer wenn es die Treulosigkeit zerrissen hat, aufgelöst werde. Auch das kommt zur Vollendung der Züchtigkeit noch hinzu, daß nicht bloß die Sünde fern bleibe, sondern auch der Gedanke daran. Denn daß eine auch noch so flüchtige Begierde den Geist entweiht, ist augenscheinlich, und ebenso, daß der Gerechte das Unrechte und Verkehrte weder tun noch wollen darf. Man muß also das Gewissen reinigen; denn Gott durchschaut [S. 206] es, den man nicht täuschen kann. Man muß das Herz von allem Schmutze säubern, damit es der Tempel Gottes sein kann, ein Tempel, den nicht der Schimmer von Gold und Elfenbein, sondern der Glanz der Treue und Keuschheit durchstrahlt.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Einleitung zu den „Epitome"

Navigation
. . Mehr
. . 51. Carneades über ...
. . 52. Die wahre und fals...
. . 53. Das wahre Opfer.
. . 54. Die zwei Wege des ...
. . 55. Gottes Erbarmen ...
. . 56. Die Affekte.
. . 57. Die Beherrschung ...
. . 58. Die Schauspiele.
. . 59. Die Verbote.
. . 60. Die Gebote.
. . 61. Die Treue und Stan...
. . 62. Die Buße.
. . 63. Zweck der Welt.
. . 64. Bestimmung des ...
. . 65. Die Unsterblichkeit ...
. . 66. Die letzten Zeiten.
. . 67. Das tausendjährige ...
. . 68. Schlußwort.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger