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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

59. Die Verbote.

Geben wir uns zufrieden mit der Tugend allein; denn ihr Lohn ist unvergänglich, wenn sie den Sieg über das Vergnügen davonträgt. Sind einmal die Leidenschaften überwunden und die Vergnügungen bezähmt, so liegt in der Unterdrückung der übrigen Versuchungen leichte Arbeit für den, der aufrichtig Gott und die Wahrheit sucht. Der Gerechte verwünscht niemals, denn er hofft selbst Segnung von Gott; er schwört nicht falsch, um nicht Gottes zu spotten; ja er schwört überhaupt nicht, um nicht aus Notwendigkeit oder Gewohnheit jemals in Meineid zu fallen. Seine Sprache ist nicht arglistig, nicht verstellt; er leugnet nicht ab, was er zugesagt hat, und verspricht nicht, was er nicht halten kann; Neid ist ihm fremd, denn er ist mit sich und dem [S. 202] Seinigen zufrieden. Verleumdung kennt er nicht, und ebensowenig Übelwollen gegen den Nebenmenschen, dem vielleicht Gottes Wohltaten reichlicher strömen. Diebstahl und Begierde nach fremdem Gute liegt ihm fern. Er leiht nicht auf Zins — denn das hieße aus fremdem Unglück Gewinn ziehen wollen —, doch lehnt er ein Darlehen nicht ab, wenn den Nächsten die Not zum Entlehnen zwingt. Er ist nicht rauh gegen Sohn und Knecht, sondern bleibt eingedenk, daß auch er einen Vater und Herrn hat. Mit diesen verfährt er so, wie er will, daß man mit ihm verfahre. Überschwengliche Geschenke nimmt er von Geringeren nicht an; denn es ist nicht in der Ordnung, daß das Vermögen der Wohlhabenden auf Kosten der Dürftigen sich mehre.

Ein altes Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Dies ist aber nicht so zu verstehen, als brauchten wir bloß die Hand vom Morde, den auch die öffentlichen Gesetze strafen, zurückzuhalten; auf Grund dieses Gebotes darf man auch niemand durch Aussage in Gefahr des Todes bringen, darf man kein Kind töten oder aussetzen, darf auch sich selbst nicht zu freiwilligem Tode verurteilen. Ein anderes Gebot lautet: Du sollst nicht ehebrechen. Vermöge dieses Gebotes darf man nicht bloß fremde Ehe nicht antasten, was auch durch das allgemeine Völkerrecht verboten ist, sondern man muß sich auch des Umgangs mit öffentlichen Dirnen enthalten. Denn über den menschlichen Gesetzen steht das Gesetz Gottes; und dieses verbietet auch Dinge, die man sonst für erlaubt hält, um die Gerechtigkeit zu vollenden. Dasselbe Gesetz schreibt vor, kein falsches Zeugnis zu geben. Auch das hat eine weitere Ausdehnung. Wenn nämlich das falsche Zeugnis infolge der Lüge dem schadet, gegen den man es ablegt, und den täuscht, vor dem es abgelegt wird, so darf man demnach niemals lügen, weil die Lüge immer eines von beiden tut, entweder täuscht oder schadet. Der ist also kein gerechter Mann, der auch ohne Schaden in müßigem Gespräche lügt. Der Gerechte darf auch nicht schmeicheln — denn eine verderbliche Betrügerin ist die Schmeichelei —, sondern er hält sich überall an die Wahrheit. Ist diese auch für den Augenblick unlieb, so wird sie doch, wenn Frucht [S. 203] und Nutzen von ihr zutage tritt, nicht Haß erzeugen, wie der Dichter1 sagt, sondern Gunst.

1: Terent. Andr. I 1, 41.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger