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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

58. Die Schauspiele.

Es erübrigt uns nun noch ein Wort über die Schauspiele. Diese muß der Weise aus einem zweifachen Grund fliehen; denn sie tragen mächtig zur Verführung der Herzen bei, und dann sind sie zur Verherrlichung der Götterfeste eingeführt worden. Die Fechterspiele sind Festlichkeiten zu Ehren Saturns; die Schaubühne gehört dem Vater Liber an; die Spiele der Rennbahn gelten als dem Neptun geweiht. Wer also Schauspielen beiwohnt, kann den Anschein nicht mehr vermeiden, als habe er den Dienst des wahren Gottes verlassen und heidnischen Religionsgebräuchen sich zugewandt. Doch will ich lieber von der Sache selbst als von dem Ursprung reden. Was ist so schauerlich, was so entsetzlich als die Hinschlachtung eines Menschen? Darum steht unser Leben unter dem Schutz der strengsten Gesetze, darum sind die Kriege verabscheuenswert. Und doch hat die Gewohnheit Wege gefunden, um Mordtaten ohne Krieg und ohne Furcht vor den Gesetzen zu verüben; und was sonst das Verbrechen getan hat, das nimmt jetzt als Recht das Vergnügen in Anspruch. Wer beim Morde zugegen ist, der bekundet sein Einverständnis mit dem Verbrechen, und in die nämliche Untat ist der Zuschauer wie der Mörder verwickelt; und wer bei diesem Gemetzel der Gladiatorenspiele den Zuschauer spielt, der wird nicht minder mit Blut überströmt wie der Fechter selbst; und der kann die Verantwortung für das Blut nicht ablehnen, der die Vergießung gewünscht hat; der kann die Schuld am Mord nicht von sich [S. 201] abwälzen, der dem Mörder Beifall geklatscht und für ihn Belohnung verlangt hat. Und die Schaubühne, ist diese wohl unsträflicher? Auf ihr unterhält sich das Lustspiel mit Buhlereien und Liebschaften, das Trauerspiel mit Blutschande und Gattenmord. Auch die schamlosen Gebärden der pantomimischen Schauspieler, in denen sie verrufene Weiber nachahmen, lehren die Lüste, die sie im Tanze darstellen. Das Gebärdenschauspiel ist die Schule der Verführung; in ihm geschieht im Bilde, was schandbar ist, damit hernach ohne Scham geschehe, was wirklich ist. Diese Dinge schauen die Jünglinge, deren gefährliches Alter noch des Zügels und der Lenkung bedarf; durch diese Bilder werden sie zu Lastern und Ausschweifungen angeleitet. Für das Unschädlichste gilt noch die Rennbahn; aber um so größer ist hier die Wut; denn die Zuschauer werden oftmals von solchem Wahnsinn ergriffen, daß sie sich nicht bloß zu Beschimpfungen, sondern auch zu Tätlichkeiten, zu Kampf und Handgemenge erheben. Darum muß man alle Schauspiele fliehen, um die ruhige Verfassung des Geistes bewahren zu können; darum muß man den schädlichen Vergnügungen entsagen, damit wir nicht, durch ihre verderbliche Lieblichkeit verlockt, in die Fallstricke des Todes geraten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger