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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

57. Die Beherrschung der Sinne.

Es gilt also, den Zorn zu beherrschen, wenn wir Unrecht erleiden; dann unterdrücken wir das Unheil, das aus dem Streite droht und behaupten zwei der größten Tugenden: die Schuldlosigkeit und die Geduld. [S. 199] Es gilt die Habsucht zu bezwingen, wenn wir haben, was ausreichend ist. Welcher Wahnsinn ist es, mit der Zusammenhäufung von Schätzen sich abzumühen, die durch Raub, Achterklärung oder Tod notwendig auf andere übergehen? Der sinnliche Trieb darf nicht über das rechtmäßige Ehebett hinausschweifen, sondern soll nur dem Zweck der Nachkommenschaft dienen. Das allzu große Trachten nach Vergnügungen zieht Gefahr und Schande nach sich und hat, was am meisten zu fürchten ist, den ewigen Tod zur Folge; denn nichts ist Gott so verhaßt als ein unlauterer Sinn und ein unreines Herz. Doch glaube niemand, daß die sinnliche Lust das einzige ist, was man meiden müsse; man muß auch den übrigen Vergnügungen der Sinne entsagen; denn auch sie sind verderblich, und es ist Aufgabe derselben Tugend, sie geringzuschätzen. Das Vergnügen der Augen hat seine Quelle in der Schönheit der Gegenstände, das der Ohren in wohlklingenden und lieblichen Stimmen, das der Nase in ergötzlichem Wohlgeruch, das des Geschmacks in der Süßigkeit der Speisen; all diesen Genüssen muß die Tugend wacker widerstreben; sonst läßt sich der Geist von diesen Reizen bestricken und sinkt vom Himmlischen zum Irdischen, vom Ewigen zum Zeitlichen, vom unsterblichen Leben zum immerwährenden Tode herab. Die Vergnügungen des Geschmacks und des Geruchs bringen außerdem noch die Gefahr mit sich, daß sie zur Verschwendung verleiten können. Wer diesen Genüssen ergeben ist, der wird es entweder nie zu Vermögen bringen, oder er wird seine Habe vergeuden und hernach ein jämmerliches Leben führen. Wer vom Gehör sich einnehmen läßt, der wird — um von den Gesängen zu schweigen, die oft die innersten Empfindungen so bezaubern, daß sie den Zustand des Geistes bis zum Wahnsinn verwirren — sicher durch wohlklingende Reden und wohllautende Gedichte oder durch spitzfindige Erörterungen sich leicht zu den ruchlosen Götterdiensten verleiten lassen. Daraus erklärt es sich, daß jene den himmlischen Schriften in ihrem schmucklosen Gewande nicht leicht glauben, die entweder selbst beredt sind oder gerne beredte Abhandlungen lesen; sie suchen nicht das Wahre, sondern das [S. 200] Angenehme; ja das erscheint ihnen als das wahrste, was am meisten den Ohren schmeichelt. So weisen sie die Wahrheit zurück, indem sie von der Lieblichkeit der Rede sich einnehmen lassen. Das Vergnügen endlich, das zum Bereiche der Augen gehört, ist vielgestaltig. Der Genuß, der aus der Schönheit kostbarer Gegenstände erwächst, regt die Habgier auf, und diese darf sich dem Weisen und Gerechten nicht nahen. Die Ergötzung aber, die der Anblick schöner Frauen gewährt, gehört in ein anderes Gebiet des Vergnügens, von dem wir bereits oben gesprochen haben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger