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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

49. Die Unvernünftigkeit der Verfolgung.

Das sind Wahrheiten, die man gerechterweise geltend machen kann. Aber wer wird darauf hören, wenn [S. 188] rasende und zügellose Menschen es als eine Beeinträchtigung ihrer Willkürherrschaft erachten, daß überhaupt etwas im menschlichen Leben ohne Zwang ist? Nun ist es aber die Religion allein, in der die Freiheit ihre Wohnstätte aufgeschlagen hat. Die Religion ist mehr als alles Sache der Freiwilligkeit, und man kann von niemand erzwingen, daß er etwas verehre, was er nicht will. Es mag sich vielleicht einer den Anschein geben, aber er kann nicht im Ernste wollen. Und wenn die einen oder andern aus Furcht vor Martern oder von Qualen überwunden, den fluchwürdigen Opfern zugestimmt haben, so tun sie niemals mehr aus freien Stücken, was sie aus Zwang getan haben. Vielmehr wenn ihnen wieder die Möglichkeit gelassen und die Freiheit zurückerstattet ist, so kehren sie wieder zu Gott zurück und suchen ihn mit Bitten und Tränen zu versöhnen, indem sie Buße tun nicht für den Willen, den sie nicht gehabt, sondern für den Zwang, den sie erlitten haben; und ihrer Genugtuung wird die Verzeihung nicht versagt. Was ist also ausgerichtet mit der Befleckung des Leibes, nachdem man doch den Willen nicht ändern kann? Aber wenn diese unverständigen Menschen vielleicht einen Christen dahingebracht haben, ihren Göttern zu opfern, so jauchzen sie maßlos in unbeschreiblichem Frohlocken auf und freuen sich, als hätten sie einen Feind unter das Joch geschickt. Wer aber weder durch Drohungen noch durch Martern sich schrecken läßt, wer die Treue dem Leben vorzieht, gegen diesen erschöpft die Grausamkeit ihre ganze Erfindungsgabe und greift zu unsäglichen und unerträglichen Qualen. Und weil sie wissen, daß der Tod für Gott ruhmvoll ist, und daß darin unser Sieg besteht, wenn wir über die Peiniger obsiegen und für Glaube und Religion das Leben opfern, so trachten auch sie mit aller Kraft nach dem Siege. Sie wollen nicht töten, sondern denken neue und unerhörte Qualen aus, damit die Gebrechlichkeit von Fleisch und Blut den Schmerzen nachgebe; und wenn dies nicht geschieht, so nehmen sie sich Zeit und pflegen die Wunden, damit die Wiederholung der Folter bei noch frischen Narben den Schmerz vermehre. Und indem sie solchen Henkersdienst wider [S. 189] Schuldlose verüben, halten sie sich noch für fromm und gerecht und gottesfürchtig — denn an derartigen Opfern ergötzen sich ihre Götter —, während sie die Christen als gottlos und nichtswürdig schelten. Was ist das für eine gänzliche Verkehrtheit, wenn man den Unschuldigen auf der Folter nichtswürdig und gottlos heißt, während der Henker gerecht und fromm genannt wird?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger