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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

48. Das Gottvertrauen der Christen.

Wohl behaupten die Verfolger, daß sie dies zur Verteidigung ihrer Götter tun. Fürs erste wenn es Götter sind, die etwas an Macht und Hoheit besitzen, so bedürfen sie nicht der Verteidigung und des Schutzes des Menschen; sie wissen sich jedenfalls selbst zu schützen. Oder wie soll der Mensch Hilfe von Göttern hoffen, die nicht einmal ihre eigenen Unbilden rächen können? Töricht und unnütz ist es also, sich zum Rächer der Götter aufwerfen zu wollen, nur daß aus diesem Verhalten nur um so mehr das Mißtrauen zutage tritt. Wer die Verteidigung des Gottes übernimmt, den er verehrt, der bekennt damit die Ohnmacht dieses Gottes; wenn er ihn aber darum verehrt, weil er ihn für mächtig hält, so darf er ihn nicht beschützen wollen, sondern muß sich selbst von ihm beschützen lassen. Ganz anders verfahren wir. Wenn diese Verteidiger der falschen Götter in ihrer Empörung gegen den wahren Gott den Namen Gottes in uns verfolgen, so widersetzen wir uns weder im Wort noch im Werk, sondern sanft und schweigsam und geduldig ertragen wir alles, was die Grausamkeit wider uns auszusinnen vermag. Denn wir setzen unser Vertrauen auf Gott, und von Gott erwarten wir die Strafe, die den Verfolgern auf dem Fuße folgen soll. Und dieses Vertrauen ist nicht unbegründet; denn von allen, die sich solcher Freveltat unterfingen, ist uns der klägliche Ausgang teils aus der Geschichte, teils aus der Erfahrung bekannt; und keinem ist es ungestraft hingegangen, daß er an Gott sich vergriffen hat; wer über den wahren Gott sich nicht mit Worten belehren lassen wollte, der ist durch eigene Bestrafung belehrt worden. Wenn die Verfolger uns wider Willen zum Opfer zwingen, so möchte ich wissen, welche Vorstellung sie dabei leitet, oder wem sie damit einen Dienst zu erweisen glauben. Wenn den Göttern, so ist das keine Verehrung und kein wohlgefälliges Opfer, das man widerwillig darbringt, das das Unrecht erzwingt, [S. 187] das der Schmerz erpreßt; wenn den Christen selbst, die man zwingen will, so ist das sicherlich keine Wohltat, wenn man ihrer Annahme den Tod vorzieht. Wenn es ein Gut ist, zu dem du mich berufst, warum lädtst du mich ein durch ein Übel? Warum nicht mit Worten, sondern durch Schläge? Warum nicht mit Gründen, sondern durch körperliche Qualen? Daraus erhellt, daß es ein Übel sein muß, zu dem du mich nicht mit Willen lockst, sondern trotz meines Sträubens schleppst. Welche Torheit ist es, für den Rat schaffen zu wollen, der nicht will? Oder wenn einer unter dem Druck der Übel sich veranlaßt sähe, seine Zuflucht zum Tode zu nehmen, könntest du dich dann für den Fall, daß du ihm das Schwert entwindest oder die Schlinge zerreißest oder ihn vom Abgrund zurückziehst oder das Gift ausschüttest, der Rettung eines Menschen rühmen, wenn der, den du vermeintlich gerettet hast, nicht Dank sagt, wenn er einen schlechten Dienst von dir empfangen zu haben glaubt, daß du ihn vom erwünschten Tode zurückgehalten, daß du ihn nicht zum Ende, nicht zum Ausruhen von den Übeln hast gelangen lassen? Die Wohltat muß nicht nach der Beschaffenheit der Sache, sondern nach der Gesinnung des Empfängers beurteilt werden1. Was rechnest du mir als Wohltat an, was für mich ein Übel ist? Was soll ich deine Götter ehren, wenn das für mich todbringend ist? Wenn es ein Gut ist, so neide ich es dir nicht; genieße dein Gut allein, meinem Irrtum brauchst du nicht abhelfen zu wollen, den ich mir mit Überlegung und freiem Willen gewählt habe. Wenn es ein Übel ist, was schleppst du mich zur Teilnahme am Übel? "Genieße, was dir beschieden ist"2. Ich will lieber mit meinem Gute sterben, als mit deinem Übel leben.

1: Freilich kann die Wohltat, die man dem Nebenmenschen wider seinen augenblicklichen Willen erweist, manchmal noch größer sein, als die ihm mit seinem Willen erwiesene.
2: Aen. XII 932.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger