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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

46. Das Geheimnis des Kreuzes.

Ich will nun vom Geheimnis des Kreuzes sprechen; denn es soll niemand einwenden: "Wenn Christus den Tod auf sich nehmen mußte, warum denn einen so entehrenden und schmachvollen Tod, warum nicht einen [S. 184] Tod, der etwas Ehrenvolles an sich gehabt hätte?" Ich wenigstens weiß von vielen, daß sie vor dem Namen des Kreuzes zurückschaudern und darum der Wahrheit den Rücken kehren, während doch eine tiefe Bedeutung und eine große Macht im Kreuze liegt. Da Christus zu dem Zwecke gesendet war, um gerade den Geringsten den Weg zum Heile zu eröffnen, so hat er sich selbst niedrig gemacht, um die Niedrigen zu erlösen. Daher nahm er jene Art des Todes auf sich, die man über Niedrige zu verhängen pflegt, um allen die Möglichkeit der Nachahmung zu gewähren. Und da er außerdem wieder auferstehen sollte, so durfte ihm kein Teil des Leibes verstümmelt und kein Gebein zerbrochen werden, wie es bei der Hinrichtung mit dem Schwerte geschieht. So verdiente also das Kreuz den Vorzug, das den Leib ohne Verletzung der Gebeine für die Auferstehung bewahrte. Dazu kommt noch der Umstand, daß Christus nach der freiwilligen Übernahme seines Leidens und Sterbens erhöht werden sollte. So sehr hat ihn aber das Kreuz in der Wirklichkeit und Augenscheinlichkeit erhöht, daß aller Welt seine Erhabenheit und Macht zugleich mit seinem Leiden kundbar geworden ist. Denn mit der Ausbreitung der Arme am Kreuze hat er gleichsam seine Flügel nach dem Aufgang und dem Niedergang ausgestreckt, damit unter diesen Flügeln alle Völker beider Weltteile sich zur Ruhe versammelten. Wie groß aber die Wirksamkeit und Macht dieses Zeichens ist, tritt klar zutage, wenn die ganze Rotte der Dämonen durch dieses Zeichen vertrieben und verjagt wird. Und wie Christus vor seinem Leiden die Dämonen durch sein allmächtiges Wort verscheucht hat, so werden auch jetzt die unreinen Geister, die sich in die Leiber der Menschen eingeschlichen haben, durch den Namen und das Zeichen des Leidens Christi ausgetrieben, indem sie sich wie unter Folterqualen als Dämonen bekennen und der züchtigenden Hand Gottes weichen. Was sollen also die Griechen von ihren Götterdiensten und mit ihrer Weisheit erhoffen, wenn sie sehen, daß ihre Götter, deren dämonisches Wesen sie nicht in Abrede stellen können, durch das Kreuz von den Menschen glorreich überwunden werden?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger