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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

41. Die Weissagungen von Christi Leiden und Sterben.

Alle diese Ereignisse hatten die Propheten vorausgesagt. So heißt es bei Isaias: "Ich bin nicht widerspenstig und widerspreche nicht; meinen Rücken bot ich den Geißeln und meine Wangen den Backenstreichen; mein Angesicht habe ich vor der Schmach des Anspeiens nicht abgewandt"1. Und vom Schweigen Christi heißt es: "Gleichwie ein Schaf ist er zur Opferung geführt worden, und wie ein Lamm, das ohne Laut ist vor dem, der es schert, hat er seinen Mund nicht geöffnet"2. David sagt im 34. Psalme: "Sie häuften Geißelstreiche auf mich und kannten nicht ihre Zahl; es ermattete ihr Arm, aber es änderte sich nicht ihr Sinn; an mir versuchten sie ihre Kraft und knirschten mit den Zähnen wider mich"3. Ebenso spricht er von Speise und Trank im 68. Psalme: "Und sie gaben zur Speise mir Galle, und in meinem Durste gaben sie mir Essig zum Trank"4. Und vom Kreuze Christi heißt es: "Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt und alle meine Gebeine gezählt; sie selbst aber haben mich betrachtet und beschaut, haben meine Kleider geteilt und über mein Gewand das Los geworfen"5. Moses sagt im Deuteronomium: "Und dein Leben wird in der Schwebe sein vor deinen Augen, und du wirst fürchten Tag und Nacht und deinem Leben nicht trauen"6. Ebenso im Buch Numeri: "Der Herr wird nicht geängstigt (suspenditur) wie der Mensch und erfährt nicht Drohungen wie des [S. 179] Menschen Sohn"7. Und bei Zacharias heißt es: "Sie werden auf mich hinschauen, den sie durchbohrt haben"8. Über die Verdunklung der Sonne sagt Amos: "An jenem Tage, spricht der Herr, wird die Sonne am Mittag hinabsinken und der Tag des Lichtes sich verfinstern; in Trauer werd' ich eure Feste wandeln und eure Gesänge in Wehklagen"9. Ebenso spricht Jeremias über die Stadt Jerusalem, in der Christus gelitten hat: "Die Sonne ging für sie unter, als es noch mitten im Tage war; Schimpf und Schmach hat sie getroffen; was noch übrig ist, will ich dem Schwerte weihen"10. Und das war nicht umsonst gesagt. Denn nach kurzer Zeit überwältigte Kaiser Vespasian die Juden und verheerte ihr Land mit Feuer und Schwert; die Belagerten bezwang er durch Hunger, zerstörte Jerusalem von Grund aus und führte die Gefangenen im Triumphe auf; dem Überrest, der noch geblieben war, untersagte er das Betreten ihres Landes, und nie sollte ihnen die Rückkehr zum heimatlichen Boden gestattet sein. Und das hat Gott wegen des Kreuzes Christi über sie verhängt, wie es in ihren hl. Schriften früher Salomon bezeugt hat mit den Worten: "Und Israel wird dem Verderben anheimfallen und dem Hohn der Völker; und dieses Haus wird verödet sein; und jeder, der daran vorübergeht, wird staunen und fragen: Was hat denn dieses Land, was hat dieses Haus verschuldet, daß Gott über sie diese Übel gebracht hat? Und man wird antworten: Weil sie den Herrn ihren Gott verlassen und ihren König, den von Gott geliebten, verfolgt und ihn gekreuzigt haben in großer Erniedrigung, darum hat Gott diese Übel über sie verhängt"11. Was hätten auch die nicht an Strafe verdient, die den Herrn, der zu ihrem Heile gekommen war, gemordet haben?

1: Is. 50, 5 f.
2: Ebd. 53, 7.
3: Ps. 34, 15 f.
4: Ebd. 68, 22.
5: Ps. 68, 22.
6: Deut. 28, 66; Cypr. II 20.
7: Num. 23, 19; Cypr. II 20. Nach der Vulgata lautet die Stelle: "Gott ist nicht wie ein Mensch, daß er trügt, und wie ein Sohn des Menschen, daß er sich ändert."
8: Zach. 12, 10.
9: Am. 8, 9 f.
10: Jer. 15, 9.
11: 2. Kön. 9, 7 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger