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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

40. Die Werke, das Leiden und Sterben Christi.

Nach diesen Ausführungen über die zweifache Geburt Christi wollen wir nun einiges über seine Macht und seine Werke sprechen. Es waren große und wunderbare Dinge, die er unter den Menschen vollbrachte. Die Juden sahen diese Werke, schrieben sie aber einer geheimen Zaubermacht zu, ohne zu beachten, daß sein ganzes Wirken von den Propheten vorausgesagt war. Jegliche Krankheit, jede Art von Siechtum fand alsbald Heilung bei ihm, und zwar nicht durch irgendein Heilmittel, sondern durch die Kraft und Macht seines Wortes. Bresthafte wurden hergestellt, Lahme aufgerichtet; den Blinden gab er das Gesicht, den Stummen die Sprache wieder und den Tauben das Gehör. Die vom Aussatze Entstellten fanden Reinigung; den vom Anfall der Dämonen in Raserei Gestürzten gab er wieder den natürlichen Verstand, Verstorbene und bereits Begrabene rief er zu Licht und Leben zurück. Mit fünf Broten und zwei Fischen sättigte er fünftausend Menschen. Ebenso wandelte er über dem Meere und gebot beim Sturm dem Winde, sich zu legen, und es trat allsogleich Stille ein. All dieses finden wir in den Büchern der Propheten und in den Weissagungen der Sibyllen vorausgesagt. Ob dieser Wunderwerke strömte eine große Menge Volkes bei ihm zusammen und hielt ihn, wie er es auch wirklich war, für den Sohn Gottes und den von Gott gesandten Messias. Dadurch wurden die Priester und die Häupter der Juden mit Mißgunst erfüllt, und zugleich reizte sie der Zorn, weil er ihnen ihre Sünden und Ungerechtigkeiten vor Augen hielt; sie traten darum zusammen, um ihn zu töten. Dies hatte schon vor mehr als tausend Jahren Salomon im Buche der Weisheit vorausverkündigt mit den Worten: "Laßt uns umgarnen den Gerechten; denn er ist uns widerwärtig und wirft uns die Sünden gegen das Gesetz vor. Er rühmt sich, die Wissenschaft Gottes zu haben und nennt sich den [S. 177] Sohn Gottes. Er ist uns zur Bloßstellung unserer Gedanken geworden; beschwerlich ist uns schon sein Anblick; denn unähnlich dem Leben anderer ist sein Leben und verschieden seine Wege. Als Spötter sind wir von ihm erachtet worden; von unseren Wegen hält er sich fern wie vor Unreinigkeiten und zieht das Ende der Gerechten vor und rühmt sich, den Herrn zum Vater zu haben. Laßt uns also sehen, ob seine Reden wahr sind, und versuchen, was er für einen Ausgang mit ihm nehmen wird. Mit Schmach und Martern laßt uns ihn prüfen und seinen Gehorsam kennen lernen und seine Geduld erproben. Zum schmählichsten Tode wollen wir ihn verurteilen. So dachten sie in ihrer Verirrung; denn ihre Torheit hat sie verblendet, und sie kannten nicht die Geheimnisse Gottes"1. Diese Stellen lasen wohl die Juden, bewahrten sie aber nicht im Sinne. Darum reizten sie das Volk gegen Christus als einen Gottlosen auf, um ihn zu ergreifen, vor Gericht zu schleppen und mit ruchlosem Geschrei seinen Tod zu verlangen. Als Verbrechen aber machten sie gerade das geltend, daß er sich Sohn Gottes nannte und daß er das Gesetz aufhob, indem er am Sabbate heilte. Das Gesetz aber erklärte Christus nicht aufzuheben, sondern vollkommen zu erfüllen. Pontius Pilatus, der damals als Legat über Syrien die Gerichtsbarkeit führte, erkannte wohl, daß diese Angelegenheit nicht zum Amtsbereiche des römischen Richters gehöre und schickte Christus zum Vierfürsten Herodes. Schließlich gestattete er den Juden, in Sachen ihres Gesetzes selbst zu entscheiden. Nachdem sie so die Vollmacht zum Verbrechen erlangt hatten, schlugen sie Christus ans Kreuz. Doch vorerst geißelten sie ihn, gaben ihm Backenstreiche, krönten ihn mit Dornen, spien ihm ins Angesicht und gaben ihm als Speise und Trank Galle und Essig; und während all diesem wurde kein Laut von ihm gehört. Dann warfen die Henker über sein Unter- und Obergewand das Los, hingen ihn am Balken auf und nagelten ihn an, während die Juden tags darauf das Pascha, d. h. ihren großen Festtag begehen wollten. Der Untat folgten Wunderzeichen, [S. 178] um den Juden den Frevel, den sie auf sich geladen, zum Bewußtsein zu bringen. In demselben Augenblicke, wo er den Geist aufgab, trat ein großes Erdbeben ein, und es entstand eine solche Verdunklung der Sonne, daß der Tag in Nacht verwandelt wurde.

1: Weish. 2, 12 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger