Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

37. Jesus Christus.

[S. 172] Ich will mich nun des näheren über die weise Religion oder die religiöse Weisheit verbreiten. Im Anbeginn, vor Grundlegung der Welt, hat Gott aus dem Quell seiner Ewigkeit und aus seinem göttlichen und immerwährenden Geiste sich selbst einen Sohn erzeugt, der unvergänglich, getreu, das wahre Abbild der väterlichen Macht und Erhabenheit war. Dieser ist die Kraft und die Vernunft Gottes, dieser das Wort und die Weisheit Gottes. Dieser war nach Hermes der Meister, nach der Sibylla der Ratgeber, dessen Gott sich bediente, um den herrlichen und wunderbaren Bau dieser Welt ins Werk zu setzen. Und von allen Engeln, die Gott aus seinem Hauche gebildet hat, ist er allein zur Teilnehmerschaft an der höchsten Macht erkoren, allein Gott benannt worden. "Denn alles ist durch ihn, und ohne ihn ist nichts"1. Über den ersten und zweiten Gott hat auch Plato nicht so fast als Weltweiser denn als Seher sich ausgesprochen, vielleicht im Anschluß an Trismegistus. Platos Worte füge ich in der Übersetzung aus dem Griechischen an! "Der Herr und Schöpfer des Alls, den wir Gott zu nennen pflegen, hat einen zweiten sichtbaren und wahrnehmbaren Gott geschaffen. Wahrnehmbar (sensibilis) nenne ich ihn, nicht weil er selbst wahrnimmt, sondern weil er wahrgenommen und geschaut wird. Dieser war der erste, alleine und einzige, den Gott geschaffen hat, und darum erschien er ihm vollkommen gut und aller Güter voll".2. Auch die Sibylla von Erythrä nennt ihn "Gott, den Gott zum Führer von allen gemacht hat"; und eine andere Sibylla sagt: "Man muß Gott, den Sohn Gottes, erkennen", wie die Stellen darlegen, die wir in den Unterweisungen angeführt haben3. Vom Sohne Gottes haben, von göttlichem Geiste erfüllt, die Propheten geweissagt. Unter diesen gibt vor allem Salomon Zeugnis im Buch der Weisheit, und ebenso dessen Vater, der Verfasser [S. 173] himmlischer Loblieder, beide hochberühmte Könige, die den Zeiten des Trojanischen Krieges um hundertachtzig Jahre vorausgegangen sind; beide bezeugen von ihm, daß er aus Gott geboren ist. "Sein Name ist niemand bekannt außer ihm selbst"4 und dem Vater, wie Johannes in der Offenbarung lehrt. Hermes sagt von ihm: "Sein Name kann von einem sterblichen Munde nicht ausgesprochen werden." Die Menschen jedoch legen ihm zwei Benennungen bei: Jesus, d. h. Heiland, und Christus, d. h. König; Heiland deswegen, weil er die Wiederherstellung und das Heil aller ist, die durch ihn an Gott glauben; und Christus deshalb, weil er am Abschluß dieser Weltzeit vom Himmel kommen wird, um die Welt zu richten und nach der Auferstehung der Toten sich ein ewiges Reich zu gründen.

1: Joh. 1, 3.
2: Diese Stelle findet sich nicht in den echten Schriften Platos.
3: Inst. IV 6, 4.
4: Offenb. 19, 12.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Einleitung zu den „Epitome"

Navigation
. . Mehr
. . 29. Die Bestimmung ...
. . 30. Die Unsterblichkeit ...
. . 31. Epikurus; Pythagor...
. . 32. Sokrates.
. . 33. Plato; Zeno.
. . 34. Andere Philosophen.
. . 35. Abschluß über ...
. . 36. Die wahre Weisheit.
. . 37. Jesus Christus.
. . 38. Die Menschwerdung.
. . 39. Die Weissagungen ...
. . 40. Die Werke, das ...
. . 41. Die Weissagungen ...
. . 42. Die Auferstehung ...
. . 43. Verwerfung der ...
. . 44. Christus, die wahr...
. . 45. Lehre und Beispiel ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger