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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

34. Andere Philosophen.

Was ich weiter anzuführen habe, ist mehr geringfügig, geht jedoch aus derselben Gedankenlosigkeit [S. 169] hervor. Xenophanes1 erklärte den Mond für achtzehnmal größer als unsere Erde; innerhalb seines Dunstkreises befinde sich eine andere Erde, die von Menschen und Tieren jeder Art bewohnt werde. Über die Gegenfüßler kann man ohne Lachen nicht hören noch reden; und doch wird es als etwas Ernsthaftes behauptet, daß es Menschen gebe, die mit ihren Fußstapfen den unsrigen gerade gegenüberstünden2. Erträglicher ist der Wahnwitz des Anaxagoras3, der den Schnee schwärzlich genannt hat. Bei manchen Philosophen sind nicht bloß ihre Aussprüche, sondern auch ihre Taten lächerlich. Demokritus4 gab die Pflege des ihm vom Vater hinterlassenen Grundstückes auf und überließ es der Gemeinde zu öffentlichen Weideplätzen. Diogenes5 mit der Schar seiner Hunde, der die Verachtung aller Dinge für die höchste und vollkommenste Tugend erklärt, wollte sich lieber den Unterhalt erbetteln, als durch ehrliche Arbeit erwerben oder irgendein Vermögen besitzen. Sicher muß das Leben des Weisen zum Vorbild für die übrigen sein. Wenn nun alle die Weisheit der Zyniker nachahmen wollten, wohin käme es dann mit den Staaten? Aber vielleicht konnten dieselben Zyniker ein Beispiel der Sittsamkeit aufstellen, sie, die öffentlich Umgang mit ihren Gattinnen hatten! Man weiß nicht, für welche Tugend die noch eintreten könnten, die das Schamgefühl aufgehoben haben. Nicht besser als die Genannten ist Aristippus, der seiner [S. 170] Buhlerin Lais zuliebe, wie ich denke, die Cyrenäische Schule gegründet hat, in der er das höchste Gut in das sinnliche Vergnügen verlegte, damit es der Sünde nicht an Ansehen und dem Laster nicht an Gelehrsamkeit fehle. Und sind wohl jene stärkeren Geister mehr zu loben, die, um den Ruf der Todesverachtung zu erlangen, freiwillig Hand an sich gelegt haben, wie Zeno, Empedokles, Chrysippus, Kleanthes, Demokritus und ihr Nachahmer Cato, und die nicht gewußt haben, daß nach göttlichem Recht und Gesetz das Verbrechen des Mordes auf dem lastet, der sich selbst das Leben nimmt? Denn Gott ist es, der uns in diese Wohnstätte des Fleisches eingeführt, der uns den Leib zur zeitweiligen Herberge angewiesen hat, damit wir ihn bewohnen, solange es Gott gefällt. Für Greuel muß man es also erachten, wenn man ohne Gottes Geheiß auswandern will. Man darf der Natur nicht Gewalt antun; Gott weiß es, wie er sein Werk wieder auflösen will. Wer an dieses Werk die ruchlose Hand legt und die Bande des göttlichen Gebildes zerreißt, der unterfängt sich, Gott zu entfliehen, dessen Urteilsspruch niemand, weder im Leben noch im Tode, entrinnen kann. Verbrecherisch und ruchlos sind sie demnach alle, die wir genannt haben; und dazu haben sie auch noch die Gründe auseinandergesetzt, aus denen man freiwillig in den Tod gehen dürfe, als wäre es nicht Verbrechens genug, daß sie an sich selbst die mörderische Hand legten; sie mußten auch noch anderen Anleitung zu diesem Frevel geben.

1: Zeitgenosse des Perikles, stiftete die nach der Stadt Elea (Velia) in Unteritalien benannte eleatische Schule mit dem πᾶν καὶ ἕν, dem pantheistischen All und Eins.
2: Ohne Kenntnis von der Gestalt und Anziehung der Erde mag dies allerdings seltsam erscheinen.
3: Aus Clazomenä in Ionien, Philosoph der älteren ionischen Schule, Freund des Perikles und Euripides. Über die Entstehung der Dinge hat er nach Aristoteles zuerst "als ein Nüchterner" gesprochen, indem er zuerst den νοῦς, das denkende Prinzip, als das Erste und Gestaltende bezeichnete.
4: Aus Abdera in Thrazien. Zeitgenosse des Sokrates, Philosoph der neueren eleatischen Schule und Urheber der Lehre von den Atomen. Im Altertum als schlechter Wirtschafter bekannt.
5: Aus Synope am Schwarzen Meer, Zeitgenosse Alexanders d. Gr.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Einleitung zu den „Epitome"

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger