Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

31. Epikurus; Pythagoras.

Nach diesen kurzen Auseinandersetzungen über die Philosophie fügen wir nun noch einiges über die Philosophen selbst an. Epikurs Lehre besteht im wesentlichen in der Leugnung der Vorsehung; und doch lehnt er dabei das Dasein der Götter nicht ab: beides gegen die Vernunft. Wenn es Götter gibt, so muß es auch eine Vorsehung geben. Anders kann man sich Gott nicht denken, als daß ihm die Fürsorge wesentlich ist. "Gott kümmert sich um nichts", sagt Epikur. So kümmert er sich also nicht um die Dinge auf Erden, ja nicht einmal um die Dinge des Himmels. Wie und mit welchen Gründen willst du dann erweisen, daß es einen Gott gibt? Denn schließt man die göttliche Voraussicht und Fürsorge aus, so wäre es nur folgerichtig, Gott das Dasein überhaupt abzusprechen. So hast du Gott im Worte belassen und in der Sache aufgehoben. Woher ist denn der gesetzmäßige Gang der Welt, wenn Gott sich um nichts kümmert? "Es gibt winzige Sämchen, die man weder sehen noch berühren kann; durch ihr zufälliges Zusammentreffen ist alles entstanden und entsteht immerfort alles." Wenn man sie weder sehen noch mit irgendeinem Teil des Leibes wahrnehmen kann, woher konntest du dann wissen, daß sie sind? Und wenn sie sind, wie kommt es ihnen denn in den Sinn, sich zusammenzuscharen, um etwas hervorzubringen? Wenn sie glatt sind, so können sie nicht aneinander haften; wenn sie hakig und eckig sind, so sind sie teilbar; denn Haken und Ecken stehen hervor und können abgetrennt werden. Doch das sind wahnwitzige und unnütze Dinge. Und erst Epikurs Lehre von der Zerstörbarkeit der Seelen! Da widerlegen ihn nicht bloß sämtliche Philosophen und die allgemeine Überzeugung, sondern auch die Aussprüche der Seher, die Weissagungen der [S. 166] Sibyllen, ja auch die göttlichen Stimmen der Propheten, so daß man sich wundern muß, wie Epikur allein auftreten konnte, um das Los des Menschen den Tieren in Feld und Wald gleichzustellen. Und was soll man von Pythagoras sagen, der zuerst Philosoph genannt worden ist, und der zwar die Seelen für unsterblich hält, jedoch behauptet hat, daß sie in andere Leiber von zahmen und wilden Tieren oder von Vögeln übergehen? Wäre es da nicht besser, die Seelen würden mit den eigenen Leibern ausgelöscht, als daß sie zu fremden Leibern verurteilt würden; nicht besser, sage ich, daß sie überhaupt nicht mehr wären, als daß sie erst in der Gestalt des Menschen, dann in der Gestalt von Schweinen oder Hunden lebten? Und um seinem Wort mehr Glauben zu verschaffen, so hat er in seiner Ungereimtheit behauptet, er selbst sei im Trojanischen Kriege Euphorbus gewesen; und nachdem er vor Troja gefallen, sei er in andere Gestalten von Tieren übergegangen und zuletzt Pythagoras geworden. O der Glückselige, dem allein ein solches Gedächtnis beschieden war, oder vielmehr der Unglückselige, der nach dem Übergang in ein Tier nicht vergessen konnte, was er gewesen war! Und wäre nur der Wahnwitz bei ihm allein geblieben! So aber fand er Leute, die ihm glaubten, und zwar nicht ungelehrte Männer, auf die dann das Erbe der Torheit überging.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Einleitung zu den „Epitome"

Navigation
. . Mehr
. . 23. Die Dämonen.
. . 24. Das Gute und das ...
. . 25. Die falsche Weishe...
. . 26. Die Wissenschaft ...
. . 27. Verschiedenheit ...
. . 28. Das höchste Gut.
. . 29. Die Bestimmung ...
. . 30. Die Unsterblichkeit ...
. . 31. Epikurus; Pythagor...
. . 32. Sokrates.
. . 33. Plato; Zeno.
. . 34. Andere Philosophen.
. . 35. Abschluß über ...
. . 36. Die wahre Weisheit.
. . 37. Jesus Christus.
. . 38. Die Menschwerdung.
. . 39. Die Weissagungen ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger