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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

30. Die Unsterblichkeit das höchste Gut.

Welches ist nun die Frucht der Gerechtigkeit und Tugend, wenn sie im Leben nichts anderes findet als Übel? Wenn die Tugend, die alle irdischen Güter verachtet, alle Übel aufs geduldigste erträgt und den Tod selbst als Erfordernis der Pflicht auf sich nimmt, nicht ohne Belohnung sein kann, was bleibt dann übrig, als daß ihr Lohn die selige Unsterblichkeit allein ist? Wenn beim Menschen das glückselige Leben in Betracht kommt, wie die Philosophen annehmen, die hierin allein nicht im Zwiespalt sind, so kommt auch die Unsterblichkeit in Betracht. Denn das allein ist glückselig, was unvergänglich, und das allein ist unvergänglich, was ewig ist. Die Unsterblichkeit ist also das höchste Gut, weil sie ausschließlich dem Menschen, dem Geiste und der Tugend zukommt. Zur Unsterblichkeit sind wir bestimmt; sie zu gewinnen sind wir auf Erden. Darum stellt uns Gott Tugend und Gerechtigkeit vor Augen, damit wir jene ewige Belohnung durch eigene Mühen erlangen. Von der Unsterblichkeit selbst werden wir an anderer Stelle handeln.

Es erübrigt noch jener Teil der Philosophie, welcher Logik oder Kunst der Darstellung genannt wird. Diese Kunst hat auf das glückselige Leben keinen Bezug; denn die Weisheit besteht nicht im Schmuck der Rede, sondern hat in Herz und Verstand ihren Sitz. Wenn nun Naturwissenschaft und Logik überflüssig sind, wenn in der Ethik oder Sittenlehre, die allein notwendig [S. 165] ist, die Philosophen vom Ziele abgeirrt sind und das höchste Gut in keiner Weise finden konnten, so erweist sich alle Philosophie als nichtig und unnütz; denn sie vermochte weder die Bestimmung des Menschen zu erfassen, noch der Pflicht und Aufgabe des Menschen gerecht zu werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger