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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

23. Die Dämonen.

[S. 153] Dies sind die Dämonen1, von denen die Dichter in ihren Liedern singen, und die Hesiod "Wächter der Menschen" nennt. Denn durch ihre Verlockungen und Täuschungen wußten sie die Menschen dahinzubringen, sie für Götter zu halten. So rühmte sich Sokrates, daß er von der ersten Kindheit an einen Dämon zum Schützer und Lenker seines Lebens hatte, ohne dessen Wink und Befehl er nichts unternehmen konnte. Sie hängen sich also an die Ferse jedes einzelnen an und nehmen unter dem Namen Haus- und Familiengötter alle Häuser ein; ihnen errichtet man Hauskapellen, ihnen opfert man täglich als Schutzgöttern, ihnen erweist man Ehre als Abwendern der Übel. Diese haben von Anfang an in der Absicht, die Menschen von der Erkenntnis des wahren Gottes abzubringen, neue Religionen und Götterdienste eingeführt; diese haben die Menschen angeleitet, das Andenken verstorbener Könige mit göttlicher Weihe zu umgeben, ihnen zu Ehren Tempel zu errichten und Bildnisse aufzustellen, nicht um die Ehre Gottes zu mindern oder die ihrige zu mehren, die sie durch Übertretung verloren hatten, sondern um den Menschen das Leben zu entreißen, ihnen die Hoffnung auf das wahre Licht zu rauben und sie nicht zur himmlischen Belohnung der Unsterblichkeit, der sie selbst verlustig gegangen waren, gelangen zu lassen. Diese Dämonen sind es, von denen die Sterndeutung, die Beobachtung des Vogelfluges und die Opferschau ausgegangen ist: Dinge, die zwar an sich Trug und Täuschung sind, die aber diese Urheber der Übel so zu lenken und zu wenden verstehen, daß sie den Anschein der Wahrheit gewinnen. Diese sind es auch, welche die Blendwerke der Zauberkunst aufgebracht haben, um die Augen der Menschen zu berücken — von ihrem Zauberhauch kommt es, daß das, was wirklich ist, als nichtwirklich, und was nicht ist, als wirklich erscheint —; von ihnen haben die Totenbeschwörungen, die Losstäbchen, die Göttersprüche den Ausgang genommen, durch [S. 154] die sie mit dem Geist der Menschen durch zwiedeutige Auskünfte in erlogener Weissagung ihr Spiel treiben. In allen Tempeln, bei allen Opfern sind sie zur Stelle, und durch trügerische Wundererscheinungen, die sie zum Staunen der Anwesenden hervorbringen, wissen sie die Menschen so zu bestricken, daß sie an das Innewohnen der Gottheit in Statuen und Bildern glauben. Als dünner Hauch schleichen sie sich auch in die Leiber der Menschen ein, verderben die Glieder und erregen Krankheiten, um sie hernach, wenn sie durch Opfer und Gelübde versöhnt sind, wieder zu erleichtern. Sie schicken Träume, die entweder reine Schreckbilder sind, damit man sich bittend an sie wende, oder deren Ausgang der Wirklichkeit entspricht, um die eigene Verehrung zu erhöhen. Manchmal stellen sie auch an Tempelschändern ein Beispiel der Rache auf, damit jedermann bei diesem Anblick furchtsamer und ängstlicher werde. So haben sie durch Lug und Trug Finsternis über das menschliche Geschlecht heraufgeführt, so daß die Wahrheit nicht mehr aufkommen konnte und der Name des höchsten und einzigen Gottes in Vergessenheit kam.

1: Plato leitet das Wort ab von δαῆναι δαήμονες, die Wissenden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger