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Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

2. Die Einheit Gottes.

Nachdem das Dasein der Vorsehung unzweifelhaft feststeht, folgt die weitere Frage: Gibt es nur einen Gott oder mehrere Götter. Diese Frage ist sehr umstritten; hierin weichen nicht bloß die einzelnen Menschen, sondern auch Völker und Stämme voneinander ab. Wer aber dem Licht der Vernunft folgt, der wird einsehen, daß es ebenso nur einen Herrn, wie auch nur einen Vater geben kann. Wenn Gott, der alles geschaffen hat, Herr und Vater zugleich ist, so kann er nur ein einziger sein; sonst könnte er nicht zugleich das Haupt und der Ursprung der Dinge sein1. Eine Gesamtleitung kann nicht bestehen, wenn nicht alles auf einen zurückgeht, wenn nicht einer das Steuerruder hält, einer die Zügel führt und wie ein einziger Geist alle Glieder lenkt. Sind in einem Bienenschwarm viele Königinnen, so wird Untergang oder Zerstreuung die Folge sein, während:
Zwietracht befällt der Könige Brust
und gewaltiger Aufruhr"2.

Sind in der Herde mehrere Führer, so ist des Kampfes [S. 133] kein Ende, bis einer die Oberhand gewinnt; sind im Heere viele Oberfeldherren, so kann der Soldat nicht gehorchen, indem die Befehle sich geradezu widersprechen; und auch die Feldherren selbst können die Einigkeit nicht bewahren, indem jeder nach seiner Eigenart für sich zu Rate geht. So ist es auch in diesem Gemeinwesen der Welt; würde nicht einer die Leitung haben, der zugleich Schöpfer ist, so wäre der gesamte Bau längst auseinandergegangen oder hätte überhaupt nicht gegründet werden können. Außerdem kommt noch das in Betracht: wenn viele Götter sind, so kann nicht in jedem das Ganze sein; denn die einzelnen Götter werden ihre besonderen Obliegenheiten und Machtbefugnisse behaupten. Keiner von ihnen kann also allmächtig genannt werden, was doch der wahre Beiname Gottes ist; denn jeder hat nur Macht in dem, was zu seinem Dienstbereiche gehört; was anderen zukommt, wagt er nicht zu berühren. Nicht nimmt Vulkan das Wasser und nicht Neptun das Feuer in Anspruch; nicht Ceres die Künste und nicht Minerva die Ähren; nicht Merkur die Waffen und nicht Mars die Leier; nicht Jupiter die Heilkunde und nicht Äskulap den Blitz; leichter trifft ihn eines anderen Blitz, als daß er selbst ihn schleudert. Wenn demnach die einzelnen Götter nicht alles vermögen, so ist ihre Gewalt und Macht beschränkt; es muß aber der für Gott gehalten werden, der die ganze Macht hat, nicht der, welcher nur ein Teilchen vom Ganzen hat.

1: Herr ist Gott als Schöpfer, Vater als Erhalter und Fürsorger der Welt.
2: Virg. Georg IV 68.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger