Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

18. Die heidnischen Opfergebräuche.

Nach diesen Ausführungen über die Götter gehen wir nun zu den Opfergebräuchen und zum Dienste der Götter über. Dem Jupiter auf Cypern wurden nach Anordnung des Teukrus Menschenopfer gebracht. Auch die Taurier opferten der Diana die Fremdlinge, die an ihre Ufer kamen. Ebenso wurde Jupiter, der Schirmgott Latiums, durch menschliches Blut besänftigt; und schon ehedem wurden dem Saturn zu Ehren gemäß dem Götterspruch Apollos sechzigjährige Männer von der Brücke in den Tiber hinabgestürzt1. Dem nämlichen Saturn schlachteten die Karthager nicht bloß unmündige Kinder, sondern nach einer Niederlage auf Sizilien opferten sie ihm zur Sühne zweihundert Söhne der Vornehmen. Nicht minder unmenschlich sind die Gebräuche, die auch jetzt noch beim Dienste der Großen Mutter und der Bellona stattfinden. Bei diesem Dienste opfern die Vorsteher nicht mit fremdem, sondern mit dem eigenen Blute; sie entmannen sich selbst und hören so auf, Männer zu sein, ohne zu Weibern zu werden; oder sie ritzen sich die Schultern auf und besprengen gräuliche [S. 146] Altäre mit dem eigenen Blute. Das sind grausame Dinge; gehen wir zu milderen über.

Die Gebräuche beim Dienste der Isis stellen nichts anderes dar, als wie sie ihren kleinen Sohn, Osiris genannt, verloren und wieder gefunden hat. Zuerst scheren sich die Diener der Göttin an allen Gliedern die Haare ab, zerschlagen sich die Brust und suchen unter Jammer und Wehklagen nach dem Knaben, indem sie die Gemütsstimmung der Mutter nachahmen; dann wird der Knabe durch Cynocephalus2 gefunden und so die klagereiche Feier mit Fröhlichkeit beschlossen. Ähnlich ist es mit dem Geheimdienste der Ceres; bei diesem wird unter Anzündung von Fackeln bei Nacht Proserpina gesucht, und nachdem sie gefunden ist, mit Beglückwünschung und Schwingung der Fackeln der ganze Dienst beendet. Die Bewohner von Lampsakus opfern dem Priapus ein Eselchen; dies erschien ihnen als das passendste Opfer, weil sich das Eselchen dem Priapus an Größe des Schamgliedes gleichstellen konnte. Lindus ist eine Stadt auf Rhodus; dort wird der Dienst des Herkules mit Schimpfworten begangen; Herkules hatte nämlich einem Landmann auf dem Acker die Rinder weggenommen und geopfert; dieser rächte sich für die Unbill mit Schmähungen; und als dieser Landmann hernach zum Priester aufgestellt wurde, ward die Anordnung getroffen, daß sowohl er als die Priester nach ihm die Feier mit den nämlichen Scheltworten begehen sollten. Der Geheimdienst des Jupiter auf Kreta bringt zur Darstellung, wie Jupiter als Kind unvermerkt dem Vater entrissen und aufgezogen wurde. Die Ziege ist zur Stelle, mit deren Milch Amalthea den Knaben nährte. Das nämliche führen die Gebräuche beim Dienste der Göttermutter vor Augen. Wie damals die Korybanten durch Klingen mit den Helmen und Anschlagen an die Schilde das Gewimmer des Knaben übertönten, so wird jetzt beim Feste ein Nachbild des Vorgangs vorgeführt; nur werden statt der Helme Schallbecken und statt der Schilde Kesselpauken geschlagen, damit Saturnus nicht das Wimmern des Knaben hört.

1: Beim Sprichwort, sexagenarios de ponte, ist zunächst an die Ausschließung bei den Komitienwahlen und an die geringe Beachtung des Alters zu denken.
2: Der ägyptische Gott Anubis, der mit dem Hundskopf dargestellt wurde.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Einleitung zu den „Epitome"

Navigation
. . Mehr
. . 10. Jupiter.
. . 11. Ausschmückung ...
. . 12. Wahrheit der Dicht...
. . 13. Euhemerus.
. . 14. Ursprung des Gött...
. . 15. Die römischen ...
. . 16. Seltsame Gottheiten ...
. . 17. Faunus und Numa.
. . 18. Die heidnischen ...
. . 19. Die Zeit der Einfü......
. . 20. Das goldene Zeital...
. . 21. Die Elemente und ...
. . 22. Das Paradies.
. . 23. Die Dämonen.
. . 24. Das Gute und das ...
. . 25. Die falsche Weishe...
. . 26. Die Wissenschaft ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger