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Cölestinus I., Papa 422-432 - Briefe
Briefe
14. Brief des P. Cölestinus an den Klerus u. die Gemeinde v. Constantinopel v. J. 430

Text.

Cölestinus, der Bischof, (entbietet) den Priestern, Diakonen, Klerikern, den Dienern Gottes und dem katholischen Volke von Constantinopel, den geliebtesten Brüdern, Gruß im Herrn.

1. Im Begriffe, zu Jenen zu reden, welche eine Kirche Gottes bilden, möge mir das Wort des Apostels den Anfang leihen, damit die heiligen Schüler zuerst die Worte jenes Lehrers hören, welcher den Heiden predigte; er sagt:1 „Nebst dem, was von aussen kommt, der tägliche Andrang zu mir, die Sorge für alle Kirchen;" und wiederum:2 „Wer wird schwach, ohne daß ich schwach werde? Wer wird geärgert, ohne daß ich brenne?" So entbrannten auch wir trotz der weiten Entfernung, sobald wir hörten, daß unsere Glieder durch eine verkehrte Lehre zerrissen werden, weil uns die väterliche Sorge für euch verzehrte, von fremdem Feuer; obwohl (eigentlich) mit Bezug auf die Kirchen Gottes, die allenthalben zu dem einen Brautgemach Christi gehören, von einer Entfernung, von einem Fremdsein nicht die Rede sein kann. Da ihr also uns so nahe am Herzen lieget, so fürchteten wir mit Recht, daß eueren überall gepriesenen Glauben die Predigt eines bösen Lehrers vom Wege der Wahrheit abwende. Denn der Bischof Nestorius predigt über die jungfräuliche Geburt und über die Gott- [S. 442] heit Christi, unseres Gottes und Erlösers, als ob er alle Ehrfurcht gegen ihn und das gemeinsame Heil Aller vergessen hätte, Gottloses, trägt Verabscheuungswürdiges vor, wie es seine von ihm selbst mit eigenhändiger Unterschrift an uns gesandten Schreiben und auch der durch meinen Sohn, den Diakon Possidonius, an uns überbrachte Bericht meines heiligen Bruders und Mitbischofes Cyrillus bezeugte. Nachdem wir Dieß alles durchgelesen hatten, fanden wir die große und verabscheuungswerthe Verkehrtheit einer gottlosen Lehre. Er bespricht nemlich die menschliche und göttliche Natur in unserem Christus und nennt ihn da bald einen bloßen Menschen, bald, wenn es ihm gefällig ist, läßt er ihm einen Antheil3 Gottes zu. Wir aher können, wie Jeremias4 sagt, die eitlen Reden solcher Propheten nicht anhören. Er möge auch den Ezechiel5 hören und erfahren, was ihm bevorsteht: „Ich werde", sagt er, „meine Hand ausstrecken über die Propheten, welche Lügen erschauen und Eitles weissagen; sie werden nicht unter den Lehrern meines Volkes6 sein noch in das Verzeichniß des Hauses Israel eingeschrieben werden noch eingehen in das Land Israel, weil sie mein Volk verführten." Wo ist die Sorgfalt, welche der Hirt seiner heiligen Heerde schuldet? wo die Sorge für den Schafstall des Herrn? Welche Hoffnung soll die Heerde haben, wenn sich der Hirt selbst als Wolf erweist und die Schafe so angreift, daß er gegen die einzelnen wüthet? Denn sie werden durch eben den Mund zerfleischt, der Gottloses verkündet. Sie erhalten Speise, aber nicht zur Erquickung, sondern zum Verderben.7 Doch glücklich die Heerde, welcher der Herr (die Einsicht) verlieh, über die Weide zu urtheilen.. [S. 443]

2. Daher muß, wie wir gar nicht zweifeln, daß ihr es thut, euer Glaube die gottlose Lehre verabscheuen, damit ihr, wachsam in Christus, zwischen Speise und Gift sicher unterscheidet und in dem ausharret, was ihr aus dem Munde euerer früheren Hirten gelernt habt, da ihr wisset, daß ihr bis nun durch Lehre und Heiligkeit ausgezeichnete Bischöfe hattet, welche, weil sie niemals von der Überlieferung der Väter abwichen, die Kirche des Herrn in größter Ruhe regierten. Denn um von den letzteren anzufangen, was hat euerem Geiste nicht der Unterricht des Bischofs Johannes heiligen Andenkens eingeflößt, dessen Lehre, weil sie den katholischen Glauben darstellte, über die ganze Erde verbreitet ist, der nie zu lehren ermüdete, weil er stets, wo immer man ihn liest, belehrte? Seiner eifrigen Klugheit folgte eine gepriesene Standhaftigkeit. Denn Bischof Attikus heiligen Andenkens regierte das christliche Volk nach dem Beispiele seines Vorgängers und verfolgte die gottesräuberische Wuth der Häretiker. Nach dessen Hinscheiden hatten wir als Collegen den Sisinnius seligen Andenkens, welcher wußte, wie rühmlich es für ihn sei, wenn er die Zierde des katholischen Glaubens unversehrt und unverletzt, wie sie auf ihn gekommen war, erhalte. Wir sahen, daß ihm weder die Einfalt der Taube noch die Klugheit der Schlange mangelte. Wir weinten, geliebteste Brüder, daß wir seiner Hilfe schnell beraubt wurden, als ob wir schon wüßten, was kommen würde.

3. Denn ich weiß nicht, was wir von Diesem hoffen können, welcher über unsern Gott anders redet, als dieser selbst über sich, als über ihn die Apostel lehrten, welcher nicht nur den Gebrochenen nicht hilfreich beisteht, sondern auch die Starken erschüttert,8 nicht nur die Gefallenen nicht aufrichtet, sondern auch die Stehenden zum Falle zu [S. 444] bringen sucht, nicht nur das Zerstreute nicht sammelt, sondern auch das Gesammelte zerstreut. Allerdings kann ein Gott geweihter Sinn nicht erschüttert, ein auf Himmelskraft Gestützter nicht zum Falle gebracht, eine heilige Schaar nicht zerstreut werden. Offen alfo kündigen wir euerer Liebe an, was wir nicht ohne Thränen sagen können. Euer Sophist eröffnete einen Krieg mit der Wahrheit, legte Hand an den alten Glauben; bekämpft die Apostel, verachtet die Propheten, folgt selbst den Worten unseres Herrn nicht, mit welchen Dieser von sich selbst spricht. Welches Bekenntnisses oder nach welchen Gesetzen nennt der sich einen Bischof, welcher das neue und alte Testament mißbraucht? Denn er verachtet sowohl den Sinn des Vorbildes und nimmt auch die unter uns verweilte Wahrheit nicht auf; er behandelt endlich das Geheimniß Christi, unseres Gottes, anders, als es unser heiliger Glaube duldet, welchem jeder katholische Lehrer mit Sicherheit folgte. Denn Keiner, welcher der Religion ganz ergeben ist, denkt über Christus anders, als Dieser selbst wollte, daß über ihn gedacht werde. Die gotteslästerliche Frage regte einst Paulus von Samosata als Bischof der heiligen Kirche von Antiochia an; allein ihn vertrieb von seinem Throne, welchen er zum Verderben einnahm, das einstimmige Urtheil der katholischen Bischöfe. Denn stets müssen Solche ausgeschieden werden, welche, weil sie das Volk verwirren und das Evangelium nach ihrem Gutdünken umstürzen, Gott keine Frucht bringen können, und muß der Weinberg bebaut werden, welcher das Recht des Eigenthümers anerkennt.

4. Gewiß ist es aber, daß solche Neuerungen aus eitler Ruhmsucht entstehen. Da Einige sich selbst scharfsinnig, geistreich und weise scheinen wollen, haschen sie nach eiwas Neuem, wodurch sie bei den unerfahrenen Seelen in den vergänglichen Ruf eines scharfsinnigen Geistes gelangen könnten. Doch wer gelangte je zu wahrem Ruhme, der sich selbst weise schien? Denn unser Gott erwählte das Schwache der Welt gegen das Starke und beschämt die Weisen durch [S. 445] das Thörichte der Welt.9 Wer mag sich auf die Weisheit der Welt Etwas einbilden, ausser der, welcher bekennt, daß er von der Welt sei, und leugnet, daß er der Schüler Dessen sei, welcher sagte, er sei nicht von der Welt?10 Es giebt nur einen Ruhm, daß, wie der Apostel11 sagt, „wer sich rühmt, in Gott sich rühme." Sehen wir nicht, daß auf eueren Bischof — aber (nur) bis jetzt eueren, wenn er nicht glaubt, was wir glauben, — dieser Ausspruch paßt: Er ist thöricht geworden, da er sich weise nennt;12 denn anerkannte Thorheit ist es, Den nicht zu kennen, welcher, wie wir wissen, Gottes Weisheit und Kraft ist.13 Denn er bekennt, daß er das nicht wisse, worüber er redet. Auch darf sich euere Liebe darüber nicht wundern, daß der vom Wege der Wahrheit abirrte, welcher, wie ihr seht, Christus verloren hat, der unser Weg ist.14 Wir sahen, wie er sich bald durch eine verkehrte Auseinandersetzung verräth, bald sich in gewisse Schlupfwinkel verbirgt und sein Gift unkenntlich macht; da wir nun, dem Ausspruche des hochweisen Salomo15 gemäß, auf seine Thorheit eigentlich nicht erwidern sollten, damit wir ihm nicht ähnlich seien, rathen wir ihm dennoch, daß er mit uns den Aposteln und den Propheten folgen solle, damit er nicht, da er allein Allen entgegentritt, auch allein von Allen widerlegt werde. Ihr aber müsset desto sorgfältiger wachen, daß ihr den Lehren des Feindes widerstehet. Denn euere Sorge ist größer, wenn euch innerhalb der Kirche Feindliches verkündet wird. Jene mögen die Mühe aufschieben, welche ein äusserer Feind angegriffen, die auf den Wällen zerstreut unter dem Schutze der Mauern sich bergen. Ist aber der Feind innen, da kennt man keine Rast. Aber in diesem innern Kriege, in diesem häuslichen Kampfe sei der Glaube euere Mauer und möge euch mit geistlichen Geschossen gegen den Un- [S. 446] glauben vertheidigen. Halten wir ihn fest, weil er uns, wenn wir ihn festhalten, beschützt. Durch ihn ist Gott unser Schutz und Schirm.16 Der entreißt aus der Hand des Sünders, zu dem ihr auf den Fluthen sagen sollet:17 „Herr, rette uns, wir gehen zu Grunde."

5. Nun muß ich mich an euch, ihr Kleriker und ihr alle, die ihr Gott geweiht seid, wenden. Man möchte vielleicht sagen, es sei die Ordnung nicht beobachtet worden. Wir wollten auch, wie es sich gehörte, an euch zuerst unsere Worte richten; allein die größere Sorge für Jene hat uns ergriffen, welche wir gemeinsam retten wollten. Denn wir dürfen auch an euch nicht zweifeln, unter deren Leitung auch Jene, wie wir meinen, für den Glauben einstehen. Der durch meinen Sohn, den Diakon Possidonius, mir übersendete Bericht meines heiligen und von Gott geliebten Bruders und Mitbischofes Cyrillus sagt, daß gegen euch so verfahren werde, wie nur der gegen Glieder der Kirche verfahren kann, welcher deren Haupt nicht schonte. Das soll euch aber nicht beunruhigen. Ein größerer Ruhm folgt der größeren Mühsal; denn die Art des Kampfes bestimmt die Art des Lohnes. Ihr leset ja mit uns, daß, wer rechtmäßig gekämpft hat, gekrönt werden wird.18 Daher schulden wir euch unsere Aufmunterung, welche sowohl den Kleinmüthigen wie auch den mannhaft Widerstreitenden nothwendig ist, damit die Versuchungen Jene bestehen, welche es nicht vermögen, und fester stehen können, die da kämpfen. Niemals werden die Waffen unseres Königs besiegt. Jede Versuchung ist für den Christen eine Bewährung, da sie, wie wir lesen,19 Geduld wirket. Aus dieser entsteht die Hoffnung, welche nach der Verheissung der Schrift Niemanden zu Schanden macht. Erlahmet daher nicht im Kampfe, theuerste Brüder, weil euer Trost von Gott [S. 447] kommt, dem ihr euere Leiber, d. i. euch selbst, wie der Apostel20 sagt, als Opfer darstellet. Jener verleiht Kraft, welcher nach der Ermahnung des Apostels21 will, daß unsere Glieder Waffen seiner Gerechtigkeit seien. Ihr habt Beispiele von Heiligen, die einst in Thränen säeten, in Freuden aber ernten werden in der Zukunft.22 Unser Herr liebt nur einen in der Versuchung bewährten Diener. Christliche Seelen üben sich in der Schule der Thaten. Laufet, damit ihr auf den Wegen des Herrn an einander vorbeikommet. Ich will nicht, daß ihr von den Gegnern erfaßt werdet. Der Apostel fagt,23 es müsse das sein, was wir sehen. Die Tapferkeit und den Glauben zeigt nur das Schlachtfeld. Schwer ist es, die Ruhe zu krönen; Belohnungen werden nur für Mühen ertheilt. Ich will nicht, daß euere Häupter den Helm des Heiles ablegen; ich will nicht, daß den Panzer des Glaubens ausziehe, wer sich als ein tüchtiger Streiter Christi bekennt.

6. Die Unsrigen haben gegen uns den Krieg begonnen, wenn man Die noch so nennen soll, welche, wie wir sehen, nach Bruch des Freundschaftsbündnisses zum Feinde übergegangen sind. Euere Pflicht ist, mit den Füßen in den Vorhöfen Jerusalems zu stehen;24 wir wollen, daß euere Schritte vollkommen seien, auf daß nicht irgend Eines Pfade einem ähnlichen Beispiele folgen. Dem Satan mögen mit dem Bösen die folgen, welche erkennen, daß sie auch aus ihm sind. Ihr, die ihr euch durch die Werke als Söhne Gottes zeigt, weil er will, daß ein Jeder nach den Früchten ekannt werde,25 tröstet hinwieder die Seelen der Kleinmüthigen, nehmet alle Schwachen auf und stärket sie ! Die Gottlosigkeit soll euch nicht verführen, sondern haltet euere Meinung über das Gute und Böse nach seiner Art fest, [S. 448] indem ihr das Böse meidet, das Rechte belobet. Denn ein Greuel ist nach dem Worte Salomo's26 vor Gott, wer immer entweder den Gerechten für ungerecht oder den Ungerechten für gerecht hält. Es giebt keine zeitliche Trübsal, so wir uns den ewigen Lohn vor Augen halten, welchem Nichts vorgezogen werden darf. Unser Sänger ruft,27 daß, wenn sich auch Heerlager gegen ihn erheben würden, er sich wegen der Hoffnung auf seine Erleuchtung nicht fürchten dürfe. Wenn ihr einen Kampf mit Heiden hättet, so wäre es gewiß ein großer Sieg, sie überwunden zu haben, die ihr stets zu Feinden hattet. Wie groß aber ist der Sieg zu nennen, wo ein Bischof nach Änderung der Lehre ein Verfolger der Katholiken geworden ist, in Allem eigentlich anders gesinnt als Paulus, welcher, nachdem er vorher ein Verfolger des Evangeliums des Herrn war, hernach ein Verkundiger desselben wurde? Der gottlose Lehrer wurden vom heiligen Geiste verlassen, nachdem er eine dem heiligen Geiste entgegengesetzte Gesinnungsweise angenommen. Mit Recht wird er, so er hartnäckig ist, von uns die Worte Samuels hören, welche damals dem Saul von dem Priester selbst gesagt wurden:28 „Der Herr wird dich verachten, damit du nicht über Israel herrschest." Wenn diese (Strafe) Jener verdiente, weil er bloß in seinen Handlungen die Gebote Gottes verachtete, welche Strafe wird dem gebühren, welcher sich gegen die Gottheit des Herrn selbst29 erhob? Ihr müsset nun jede Wunde heilen, welche er geschlagen, und Jenen Heilung bringen, welche durch seine Reden verwundet wurden. Stehet fest wider ihn, von welchem wir sehen, daß er gefallen sei, wie seine Rede beweist. Was immer er euch angethan, ertragt es geduldig! Er hat euch beschimpft, verbannt? Jener hat Dieß in den Seinigen erduldet, von dem er leugnet, daß er für uns [S. 449] den Menschen angenommen habe. Daher solI Keiner sich beklagen, was immer er gegen Einige von ench zu thun versuchte.

7. Als Vorbild der Geduld und Standhaftigkeit diene euch der heilige Stephanus, welcher der erste Blutzeuge Christi war. Das ungläubige Volk knirschte gegen ihn, als er predigte; dennoch verschwieg der tüchtige Gefährte Christi nicht, was er sah. Laut rief er unter den Wüthenden, unter den Feinden der Religion, daß er den Himmel offen und den Menschensohn, um dessentwillen er so litt, zur Rechten Gottes stehen sehe.30 Es wäre zu weitläufig, alle Die einzeln durchzugehen, welche sich das Leben durch den Tod oder das Bekenntniß erkauften. Ihr alIe, die ihr aus der Kirche verstoßen seid, habt fast aus unserer Zeit das Beispiel des Athanasius seligen Andenkens, des hochklugen Bischofs der alexandrinischen Kirche. Wem sollte seine Ausdauer nicht zum Troste gereichen, seine Tapferkeit zum Beispiele, wen seine herrliche Rückkehr nicht zur Hoffnung beleben? Ausgewiesen wird er durch Arius, der ihn verfolgt, damit er zurückgerufen wird, weil der Herr ihn beschützt. Er duldete Gefängniß, er duldete Bedrängniß; man darf sich auch nicht wundern, wenn der apostolische Mann das erduldete, wodurch geprüft zu sein der Apostel sich rühmte. 31 In allem Diesem aber folgte er Jenem, welcher von sich bezeugte,32 daß er an Trübsalen sein Wohlgefallen habe. Von dort vertrieben wurde er bei uns erquickt. Endlich wurde er hier in seinen früheren Stand zurückversetzt und fand bei diesem Stuhle die Ruhe der Gemeinschaft, von welchem stets den Katholiken Hilfe zukommt. Er fühlte aber auch in den Trübsalen keine Ermattung, da er in der Verfolgung ein Bekenner wurde. Deßhalb darf kein Christ eine über ihn verhängte zeitliche Verbannung beweinen, weil Keiner aus ihnen von Gott verbannt ist. Fürchten wir, [S. 450] daß wir nicht aus dem Lande der Lebendigen, d. i. aus jenem, welches wir zu unserem Vaterlande haben wollen, verbannt seien. Das ist unser, das ist für immer, das ist ewig. Denn unser ist nicht, von wo wir hinübergehen, sondern das ist in Wahrheit unser, was uns eine ganz zuversichtliche Hoffnung verheißt. Nach dem Worte des Apostels aber „hat es kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und ist es in keines Menschen Herz gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." 33 Damit es jedoch nicht scheine, daß sein Urtheil auch nur zeitweilige Geltung habe, da er das göttliche Urtheil schon über sich herabgerufen hatte, so verordnete der Befehl unseres Stuhles deutlich, daß Niemand, sei es ein Bischof oder ein Kleriker oder überhaupt ein Christ, welcher von Nestorius oder dessen Anhängern, seit sie Dieses lehrten, seiner Würde oder der Gemeinschaft beraubt wurde, als entsetzt oder ausgeschlossen gelte; sondern alIe Diese waren in unserer Gemeinschaft und verbleiben noch immer darin, weil Der Niemanden entsetzen oder ausschließen konnte, welcher, da er Solches lehrte, selbst nicht fest stand.

8. Alle zusammen begreift unsere gegenwärtige Rede, daß ihr mehr und mehr gestärkt und auf den Herrn vertrauend euch nicht erschüttern lasset, vielmehr auch die Schwächen Anderer heilen möget. Denn schon hier empfehlen wir euch die Schwachen, wo der Arzt selbst so krank zu sein scheint, welchem wir jedoch, wenn wir noch können, zu Hilfe kommen wollen. Als wir nemlich an unsern heiligen Bruder und Mitbischof Cyrillus entsprechende Antwortschreiben sandten, überschickten wir auch durch seinen theuersten Diakon Possidonius diese Schreiben, damit sie euch und Jenem, um den es sich handelt, durch eben diesen meinen Bruder übermittelt werden. Weil ferner in einer so wichtigen Angelegenheit unsere Gegenwart fast [S. 451] nothwendig erschien, haben wir, weil uns weite Meere und Länder trennen, an unserer Statt meinen heiligen Bruder Cyrillus bevollmächtiget, damit jene Krankheit aus Anlaß der Verzögerung nicht weiter um sich greife. Habt nur immer die Worte des Apostels vor Augen und34 „seid vollkommen eines Sinnes und einer Meinung," damit, wenn ihr ausharret bis an's Ende, ihr, wie wir lesen,35 selig werden könnet. Damit ihr aber wisset, mit welcher Entscheidung wir das Schreiben (an Denjenigen, von welchem wir zu euch sprechen)36 schickten, so ließen wir das Urtheil (welches wir gegen Nestorius fällten) diesem Briefe anschließen, damit ihr die über ihn abgegebene Erklärung kennen lernet. Gott erhalte euch unversehrt, theuerste Brüder. (Gegeben am 11. August unter dem 13. Consulate des Theodosius und dem 3. des Valentinianus.)37 .

1: II. Cor. 11, 28.
2: Ebend. 29.
3: Lat.: societatem, griech.: κοινωνίαν.
4: 23, 16.
5: 13, 9—10.
6: Unser Text hat: in populi mei disciplina non erunt; ἐν τῇ ἐπιστήμη τοῦ λαοῦ u.s.w., die Vulgata: in consilio.
7: Nach dem Griech.: nicht zum Ernähren und Gedeien, sondern zum Abmagern.
8: Wörtlich: welcher nicht nur die Zerbrochenen nicht zusammenbindet, sondern auch die Zusammengebundenen zerschlägt.
9: I. Cor. 1, 27.
10: Joh. 17, 16.
11: I. Cor. 1, 31.
12: Röm. 1, 22.
13: I. Cor. 1, 24.
14: Joh. 14, 16.
15: Sprüchw. 26, 4.
16: Ps. 70, 3 u. 4.
17: Matth. 8, 25.
18: II. Tim. 2, 5.
19: Röm. 5, 4–5.
20: Röm. 12, 1.
21: Röm. 6, 13.
22: Ps. 125, 5.
23: I. Cor. 11, 19; Häresien nemlich.
24: Ps. 121, 2.
25: Matth. 7, 16 u. 20.
26: Sprüchw. 17, 15.
27: Ps. 26, 3.
28: I. Kön. 15, 23.
29: Nach dem Griech. übersetzt; im Lat.: in ipsum Dominum majestatis.
30: Apostelg. 7, 55.
31: II. Cor. 11.
32: II. Cor. 12, 10.
33: I. Cor. 2, 9.
34: I. Cor. 1, 10.
35: Matth. 10, 22.
36: Das Eingeklammerte nur im Griech.
37: D. i. i. J. 430; steht nur im Lat.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger