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Laktanz († nach 317) - Vom Zorne Gottes (De ira dei)

24. Schlußwort.

[S. 125] Darum lasse niemand vom Gerede der Philosophen sich betören und zur Mißachtung Gottes verleiten; denn das wäre die höchste Versündigung. Gott müssen wir alle als Vater lieben und als Herrn ehren, müssen ihm dankbar für die Wohltaten sein und seine Strenge fürchten; in beidem ist er ehrwürdig, in der Güte und Strenge. Wer soll ohne Verletzung der Kindespflicht den Vater seiner Seele nicht lieben? Wer soll den ungestraft mißachten, der als Herrscher der Welt über alle eine wahre und ewige Macht hat? Betrachtet man ihn als Vater, so verdanken wir ihm die Entstehung zum Lichte, das wir genießen; ihm verdanken wir das Leben, ihm den Eintritt in die Gastherberge dieser Welt. Betrachtet man ihn als Herrn, so nährt und erhält er uns durch eine Fülle von Gütern, sein Eigentum ist das Haus, das wir bewohnen, ihm gehört die Familie, die wir bilden; und ist diese Familie auch minder gehorsam, als zu erwarten stünde, weniger dienstbeflissen, als des Herrn und Vaters unsterbliche Verdienste es erheischten, so ist doch der Umstand sehr wirksam zur Erlangung von Nachsicht, daß wir uns an den Dienst und die Kenntnis Gottes halten, daß wir auf niedrige und irdische Dinge und Güter verzichten und an himmlische, göttliche und ewige Dinge denken. Zu diesem Behufe müssen wir uns an Gott anschließen, müssen wir Gott anbeten und lieben; denn in ihm ist der Urgrund der Dinge, in ihm die Wurzel der Tugenden und die Quelle der Güter. Was ist größer als seine Macht, was vollkommener als seine Weisheit, was leuchtender als seine Herrlichkeit? Nachdem uns nun Gott zur Weisheit geschaffen, zur Gerechtigkeit ins Dasein gerufen hat, so ist es dem Menschen nicht erlaubt, Gott, den Spender des Empfindens und Lebens, zu verlassen und Irdischem und Vergänglichem zu dienen, oder im Haschen nach Erwerb zeitlicher Güter vom Pfade der Unschuld und Frömmigkeit abzuweichen. Nicht in verderblichen und todbringenden Vergnügungen liegt das Glück, nicht im Überfluß, der zu Lüsten reizt, nicht im eitlen Ehrgeiz, nicht in hinfälligen Ehren, lauter Dinge, die den menschlichen Geist bestricken, ihn dem Leibe dienstbar machen und [S. 126] zu ewigem Tode verdammen. Das Glück liegt in der Unschuld und Gerechtigkeit allein. Der rechtmäßige und würdige Lohn dieser Tugend ist die Unsterblichkeit. Diese hat Gott von Anfang an den heiligen und reinen Seelen bestimmt, die sich vor Lastern und aller irdischen Befleckung unberührt und unversehrt bewahren. Dieser himmlischen und immerwährenden Belohnung kann der nicht teilhaftig werden, der mit Tücke, Raub und Betrug sein Gewissen befleckt und durch empörende Ungerechtigkeiten und ruchlose Freveltaten sich unauslöschliche Brandmale auf die Stirne drückt.

Demgemäß müssen alle, die mit Recht auf den Namen Weise, auf den Namen Menschen Anspruch machen, das Vergängliche geringschätzen, das Irdische mit Füßen treten und das Niedrige verachten, um mit Gott in seligster Unzertrennlichkeit verbunden sein zu können. Möge die Gottlosigkeit verschwinden; möge verwirrende und verderbliche Zwietracht und Mißhelligkeit ein Ende haben; denn durch sie wird das göttliche Band, das alle Menschen umschlingt und zu Brüdern macht, durchbrochen, zerrissen und zerstört; soviel wir vermögen, wollen wir auf Güte und Wohltun bedacht sein. Besitzen wir Schätze, stehen uns Reichtümer zu Gebote, so sollen sie nicht zum Vergnügen des einzelnen, sondern zur Wohlfahrt vieler verwendet werden; denn das Vergnügen ist vergänglich wie der Leib, dem es zu Diensten ist; Gerechtigkeit aber und Wohltun sind unvergänglich wie der Geist und wie die Seele, die durch gute Werke Ähnlichkeit mit Gott erlangt. Für uns sei nicht in Tempeln, sondern in unseren Herzen Gottes heilige Stätte; denn zerstörbar ist alles, was Hände schaffen. Reinigen wir diesen Tempel, den nicht Rauch und Staub, sondern böse Gedanken beschmutzen, der nicht vom Schimmer der Kerzen, sondern vom Glanze Gottes und dem Lichte der Weisheit erhellt wird. Wenn wir glauben, daß Gott immer in diesem Tempel gegenwärtig ist und daß seiner Allwissenheit die Geheimnisse des Herzens offenbar sind, so werden wir so leben, daß wir immer Gottes Gnade an uns erfahren und niemals Gottes Zorn zu befürchten haben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger