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Laktanz († nach 317) - Vom Zorne Gottes (De ira dei)

14. Die Bestimmung des Menschen.

Wir kommen nun an die Darlegung des Grundes, weshalb Gott den Menschen selbst geschaffen hat. Wie Gott die Welt um des Menschen willen geschaffen hat, so hat er den Menschen um Gottes willen geschaffen, gleichsam als Vorsteher des göttlichen Tempels und Beschauer der himmlischen Werke und Dinge. Denn der Mensch allein ist es, der mit Sinn und Vernunft begabt ist, und der darum Gott zu erkennen vermag. Der Mensch ist deshalb mit Einsicht, Verstand und Klugheit ausgestattet, ist darum allein vor allen Geschöpfen mit aufrechtem Leibe und in gerader Stellung geschaffen worden, damit er Auge und Antlitz zur Betrachtung seines Schöpfers erhebe; er hat deswegen allein die Gabe [S. 104] der Rede und die Zunge zur Aussprache der Gedanken erhalten, um die Erhabenheit seines Herrn verkündigen zu können; ihm ist endlich aus dem Grunde alles unterworfen, damit er sich selbst der Herrschaft seines Bildners und Schöpfers unterwerfe. Wenn also Gott den Menschen zu seiner Verehrung bestimmt hat, wenn er ihm darum so große Ehre zuerkannt hat, daß ihm die Herrschaft über alles eingeräumt ist, so ist es sicherlich ganz gerecht, daß er Gott liebe, den Spender so großer Gaben, und daß er den Nebenmenschen liebe, der mit uns durch die Anteilnahme am gottverliehenen Rechte verbunden ist. Denn es ist nicht geziemend, daß der Diener Gottes dem Diener Gottes Leides zufüge. Daraus ersehen wir, daß der Mensch um der Religion und Gerechtigkeit willen geschaffen ist. Zeuge dafür ist Markus Tullius, der sich in den Büchern über die Gesetze also ausspricht: „Von allem, was den Gegenstand der Untersuchung gelehrter Männer bildet, hat in der Tat nichts den Vorzug vor der vollkommenen Erkenntnis, daß wir zur Gerechtigkeit geboren sind.“ Wenn dies vollständig wahr ist, so will also Gott, daß alle Menschen gerecht sind, d. h. daß sie Gott und die Menschen lieb und wert halten, daß sie Gott ehren als Vater und die Mitmenschen lieben als Brüder; denn auf diesen beiden Pflichten beruht die ganze Gerechtigkeit. Wer also Gott nicht kennt und den Nebenmenschen schadet, der lebt ungerecht und im Widerspruch mit seiner Natur und durchbricht die Anordnung und das Gesetz Gottes.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger