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Laktanz († nach 317) - Von den Todesarten der Verfolger (De mortibus persecutorum)

40. Verurteilung der Freundinnen der Valeria.

Es war eine erlauchte Frau, die von erwachsenen Söhnen bereits Enkel hatte. Valeria liebte sie wie eine zweite Mutter, und ihrem Rate schrieb Maximin die Weigerung zu. Der Statthalter Eratinus erhält den Auftrag, sie mit Schimpf und Schmach zu töten. Ihr werden zwei andere gleich vornehme Frauen beigesellt. Die eine von ihnen hatte zu Rom eine Tochter als vestalische Jungfrau zurückgelassen und war im stillen mit Valeria vertraut. Die andere hatte einen Senator zum Gemahl und stand der Kaiserin nicht minder nahe. Beiden war ihre ausnehmende Schönheit und Züchtigkeit Ursache des Todes1. Die drei Frauen werden plötzlich vor eine Versammlung nicht von Richtern, sondern von Räubern geschleppt; es trat auch niemand als Ankläger auf. Endlich fand sich ein Jude, der wegen anderer Untaten verurteilt war und der in der Hoffnung [S. 50] auf Straflosigkeit, die man ihm anbot, falsches Zeugnis wider die Schuldlosen ablegen wollte. Der unparteiische und umsichtige Richter läßt ihn unter Bedeckung aus der Stadt bringen, um ihn vor Steinigung zu schützen. Der Schauplatz dieses Trauerspiels war Nicäa. Der Jude wird auf die Folter gelegt und macht die gewünschten Aussagen; die Faust der Folterknechte hindert die Frauen an der Einsprache. Es ergeht Befehl, die Unschuldigen zum Tode zu führen. Weinen und Wehklagen nicht bloß von seiten des Gatten, der seiner treuverdienten Gattin schützend zur Seite stand, sondern von seiten aller, die der empörende und unerhörte Vorgang herbeigeführt hatte. Und damit der ungestüme Andrang des Volkes die Frauen nicht aus den Händen der Henker reiße, so ward der Zug von Gepanzerten in voller Ausrüstung eröffnet und von Bogenschützen geschlossen. So wurden die Frauen mitten unter Reihen von Bewaffneten zum Tode geführt. Und sie wären unbestattet liegen geblieben, da sich das Hausgesinde zur Flucht gewandt hatte, wenn nicht verstohlenes Mitleid der Freunde sie begraben hätte. Auch dem vorgeblichen Ehebrecher wird die versprochene Straflosigkeit nicht gewährt. An den Pfahl geheftet, deckt er das ganze Geheimnis auf, und bis zum letzten Atemzuge beteuerte er allen, die zur Stelle waren, jene Frauen seien unschuldig ums Leben gebracht worden.

1: Der Umstand, daß Valeria und Priska von Diokletian zur „Befleckung mit dem Opfer“ erst gezwungen werden mußten, sowie das ganze Verhalten dieser Frauen legt die Vermutung nahe, daß ihnen die christliche Lehre nicht ganz fremd war.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger