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Laktanz († nach 317) - Von den Todesarten der Verfolger (De mortibus persecutorum)

27. Zug des Galerius gegen Rom.

Herkulius, der das ungestüme Wesen des Galerius kannte, begann bei sich also zu überlegen: Galerius werde auf die Nachricht vom gewaltsamen Tode des Severus im ersten Aufbrausen des Zornes sofort die Feindseligkeiten eröffnen und mit dem Heere erscheinen, vielleicht auch den Cäsar Maximin an sich ziehen und so sein Heer verdoppeln; dann sei jeder Widerstand umsonst. Er ließ daher die Hauptstadt befestigen und mit allem sorgfältig versehen. Dann machte er sich auf den Weg nach Gallien, um Konstantin durch Vermählung mit seiner jüngeren Tochter für seine Sache zu gewinnen. Galerius brach inzwischen mit Heeresmacht in Italien ein und rückte vor die Stadt Rom mit dem Entschlusse, den Senat auszurotten und das Volk niederhauen zu lassen. Er findet alles verschlossen und verschanzt. Das Eindringen erschien unmöglich, die Bestürmung schwierig; zur Umlagerung reichte die Truppenmacht nicht aus. Galerius hatte Rom nie gesehen und schätzte die Stadt für nicht viel größer als [S. 36] die übrigen Städte, die er kannte. Da befiel einige Legionen Abscheu vor dem Greuel, daß der Schwäher den Eidam, daß römische Soldaten Rom bestürmten. Sie wandten die Feldzeichen und verließen den Kaiser. Schon wankte auch das übrige Heer. Da brach der Stolz des Galerius, und es entsank ihm der Mut. Aus Furcht vor dem Schicksale des Severus warf er sich den Soldaten zu Füßen und beschwor sie, ihn nicht dem Feinde auszuliefern, und schließlich gelang es ihm unter ungeheuren Versprechungen, die Gemüter umzustimmen. Nun gab er Befehl zum Rückzug und ergriff ängstlich die Flucht. Auf dieser hätte er leicht überwältigt werden können, wenn ihm jemand mit geringer Mannschaft folgte. Dies fürchtete er auch und gab daher den Soldaten Erlaubnis, sich möglichst weit zu zerstreuen und alles zu plündern und zu verderben, um die Verfolgung aus Mangel an Lebensmitteln unmöglich zu machen. So verfiel jener Teil Italiens dem Schicksal der Verwüstung, durch den jener unheilvolle Zug den Weg nahm. Alles wurde rein ausgeplündert, Frauen entehrt, Jungfrauen geschändet, Väter und Gatten auf der Folter gezwungen, ihre Töchter und Gattinnen sowie ihre Schätze zu verraten. Herden von Schafen und Rindern wurden wie aus Barbarenland als Beute fortgetrieben. Auf diese Weise zog sich Galerius zu seinen Sitzen zurück, nachdem er, ehedem römischer Kaiser, jetzt Verwüster Italiens, alles nach Feindesart verheert hatte. Schon ehedem, seit seiner Erhebung zum Imperator, hatte er aus seiner Feindschaft gegen den römischen Namen kein Hehl gemacht. Auch die Benennung des Reiches wollte er geändert wissen. Es sollte nicht mehr römisches Reich, sondern dazisches heißen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger