Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Viertes Buch

6. Kap. Die unter Hadrian erfolgte letzte Niederwerfung der Juden.

6. Als sich die Abfallsbewegung der Juden von neuem gewaltig ausdehnte, trat Rufus, der Statthalter von Judäa, nachdem ihm der Kaiser militärische Verstärkung geschickt hatte, in rücksichtsloser Ausnützung ihres törichten Gebarens dagegen auf, indem er auf einmal Tausende von Männern, Kindern und Frauen vernichtete und ihren Grundbesitz nach dem Kriegsrecht einzog. Führer der Juden war ein Mann namens Barkochba,1 was „Stern“ bedeutet. Er war zwar eine Mörder- und Räubernatur, aber durch die Kraft seines Namens beherrschte er die Juden wie Sklaven; denn er gab vor, in ihm wäre das himmlische Licht gekommen, das den Bedrängten Erleuchtung brächte. Als im 18. Jahre der kaiserlichen Regierung der Kampf gegen Beth-ther,2 eine kleine, stark befestigte, nicht weit von Jerusalem entfernte Stadt, seinen Höhepunkt erreicht, sich die Belagerung immer mehr in die Länge gezogen, Hunger und Durst die Aufständischen in äußerste Not gebracht hatte und der Urheber des Wahnsinnes in verdienter Weise bestraft worden war, wurde durch Gesetzesbestimmung und durch Verordnungen Hadrians dem gesamten Volke verboten, das Gebiet um Jerusalem von nun ab überhaupt noch zu betreten. Nach der Weisung Hadrians sollten die Juden den heimatlichen Boden nicht einmal mehr aus der Ferne sehen. So berichtet Ariston von Pella.3 [S. 161] Nachdem auf solche Weise die Stadt vom jüdischen Volke entblößt und der alten Einwohner vollständig beraubt worden war und Fremde sie bevölkert hatten, änderte die nun erstandene römische Stadt ihren Namen und nannte sich zu Ehren des Kaisers Aelius Hadrianus Aelia.4

Da nun die Kirche in Jerusalem aus Heiden sich zusammensetzte, wurde dort als erster nach den Bischöfen aus der Beschneidung Markus mit der bischöflichen Würde betraut.

1: Über Simeon Barkochba (= Sternensohn; vgl. Num. 24, 17) oder Ben Koseba als gesalbten König im freien Jerusalem vgl. Schlatter, „Die Tage Trajans und Hadrians“ (1897) S. 50—54: „Der gesalbte König“. — (Heute bezeichnen sich jüdische Sportvereine gerne nach Barkochba.)
2: Beth-ther, heute Bittir, liegt drei Stunden sw. von Jerusalem. Über die Eroberung der Stadt vgl. Schlatter a. a. O. S. 35—140: „Die Verteidigung Bittirs“. Zu den zehn großen Unglücksfällen rechnet die Mischna: „und Bittir wurde genommen“.
3: Aristons von Pella Dialog zwischen dem Judenchristen Jason und dem Juden Papiskus ist verlorengegangen.
4: Vgl. F. Gregorovius, „Die Gründung von Aelia Capitolina“, in Sitzungsberichte der philos.-philol. u. histor. Klasse der Münchener Akademie 1883, S. 477 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

Navigation
Erstes Buch
Zweites Buch
Drittes Buch
Viertes Buch
. . 1. Kap. Die Bischöfe ...
. . 2. Kap. Die Schicksale ...
. . 3. Kap. Die Glaubensve...
. . 4. Kap. Die Bischöfe ...
. . 5. Kap. Die Bischöfe ...
. . 6. Kap. Die unter Hadr...
. . 7. Kap. Die damaligen ...
. . 8. Kap. Kirchliche ...
. . 9. Kap. Ein Brief Hadr...
. . 10. Kap. Die Bischöfe ...
. . 11. Kap. Die damaligen ...
. . 12. Kap. Die Apologie, ...
. . 13. Kap. Das von Antoninus ...
. . 14. Kap. Berichte übe...
. . 15. Kap. Polykarp stir...
. . 16. Kap. Der Philosoph ...
. . 17. Kap. Die in einer ...
. . 18. Kap. Die auf uns ...
. . 19. Kap. Die Bischöfe ...
. . Mehr
Fünftes Buch
Sechstes Buch
Siebtes Buch
Achtes Buch
Neuntes Buch
Zehntes Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger