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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Zweiundachtzigste Homilie. Kap.XXVI, V.26-35.

4.

Alles das waren Wirkungen jenes Falles. Vordem vertraute Petrus vermessen auf sich selbst. "Wenn auch alle sich ärgern, ich werde mich nicht ärgern; und sollte ich auch sterben müssen, ich werde Dich nicht verleugnen", sagt er, wo er doch hätte beifügen sollen: Wenn ich Deinen Beistand besitze. Später redet er ganz anders: "Was schauet ihr auf uns, gleich als hätten wir durch selbsteigene Tugend oder Kraft bewirkt, dass er umhergehe?"1 . Hieraus lernen wir die große Glaubenswahrheit kennen, dass die Bereitwilligkeit des Menschen nicht hinreicht, wenn ihm nicht auch der übernatürliche Beistand zuteil wird, und dass anderseits auch die übernatürliche Hilfe nichts frommt, wenn es am guten Willen fehlt. Für beide Sätze liefern Judas und Petrus den Beweis. Der eine empfing viel Gnadenbeistand, ohne dass es ihm nützte, weil es ihm am guten Willen mangelte und an der Mitwirkung; der andere war bereitwillig, aber er fiel, da er keinen Beistand hatte. Beides muß zusammentreffen, wenn ein Tugendwerk zustandekommen soll. Daher bitte ich, lasset uns nicht schlafen und nicht alles Gott allein überlassen, noch auch Anstrengungen machen in der Meinung, wir können alles aus eigenen Kräften zuwegebringen. Gott will nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen, deshalb tut er nicht alles allein; er will aber auch nicht, dass wir eingebildet werden, deshalb hat er nicht alles uns anheimgestellt; er hat vielmehr in beiden Beziehungen das Nachteilige beseitigt, und uns nur das Nützliche übriggelassen. Daher ließ er auch den Apostelfürsten fallen, um ihn bescheiden zu machen und so in der Liebe zu fördern."Wem mehr erlassen wird", sagt er, "der wird auch mehr lieben"2 .. Lasset uns also allweg Gott vertrauen und nie widersprechen, auch wenn seine Worte unserer Vernunft und dem Augenschein zu widersprechen scheinen; sein Wort muß uns auf alle Fälle mehr gelten als Vernunft und Sinne.

Das muß auch unser Grundsatz bei den Geheimnissen sein. Wir dürfen nicht bloß auf das schauen, was vor uns liegt, sondern müssen uns an seine Worte halten. Sein Wort ist untrüglich, unsere Sinne sind der Täuschung leicht unterworfen. Jenes ist immer wahr, diese irren sich gar oft. Da er nun spricht: "Das ist mein Leib", so wollen wir uns fügen, wollen glauben und ihn mit den Augen des Geistes betrachten. Christus hat uns nichts Sinnfälliges übergeben, sondern lauter Geistiges, aber in sinnfälliger Hülle. So ist es ja auch bei der Taufe; in der sinnfälligen Handlung empfangen wir äußerlich das Wasser, die Wirkung, die Wiedergeburt und Erneuerung ist jedoch geistig. Wenn du ein körperloses Wesen wärest, hätte er dir die unkörperlichen Gaben unmittelbar gegeben; nachdem aber die Seele an einen Leib geknüpft ist, reicht er dir das Geistige in sinnfälliger Gestalt. Wie viele gibt es, die wünschen: Könnte ich doch den Herrn von Gestalt sehen, sein Gesicht, seine Kleider, seine Schuhe! Wohlan, du siehst ihn, berührst ihn, genießest ihn. Du willst bloß das Gewand sehen, er aber gibt dir sich selbst, nicht allein zu sehen, sondern sogar zu berühren, zu essen und läßt sich in dein Inneres aufnehmen. Es trete somit niemand voll Überdruß, voll Gleichgültigkeit hinzu, alle vielmehr voll Feuer, voll Glut und Begeisterung. Wenn schon die Juden stehend, die Schuhe an den Füßen und Stäbe in den Händen, eilig das Osterlamm aßen3 , um wieviel mehr sollst du wachsam sein! Weil jene im Begriffe standen, nach Palästina fortzuziehen, hatten sie auch schon das Äußere von Reisekleidung; du aber hast als Reiseziel den Himmel.

1: Apg 3,12
2: Lk 7,47
3: Ex 12,11

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger