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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

10. Wer die Ehe verdammt, thut Abbruch auch dem jungfräulichen Stand.

Wer nämlich die Ehe verdammt, der benimmt auch dem jungfräulichen Stand seinen Ruhm; wer sie belobt, der macht diesen um so bewunderungswürdiger und herrlicher. Denn was im Vergleiche mit etwas Schlechterem gut erscheint, das ist zweifelsohne nicht vorzüglich gut; was aber noch besser ist als das, was in den Augen Aller gut ist, das ist außerordentlich gut, und das lehren wir bezüglich der Jungfräulichkeit. Wie daher diejenigen, welche die Ehe verdammen, den Ruhm derselben zerstören, so lobt der, welcher in ihr nichts Böses erblickt, nicht so fast sie als vielmehr die Jungfräulichkeit. Denn auch bei den Leibern bezeichnen wir ja nicht jene als schön, welche die ver- [S. 169] stümmelten, sondern jene, welche die unversehrten und mit keinem Mangel behafteten übertreffen. Die Ehe ist etwas Gutes, und deßhalb die Jungfrauschaft bewunderungswürdig, weil sie besser ist als das Gute, und zwar in dem Grade besser, in welchem der Steuermann besser ist als die Bootsknechte, der Feldherr besser als die Soldaten. Wie man aber, falls man die Ruderer aus dem Schiffe wegnimmt, dieses versenkt, und falls man die Krieger aus dem Treffen entfernt, den Feldherrn gebunden den Feinden ausliefert, so ist es auch hier: stürzt man die Ehe von ihrer Höhe herab, so gibt man den Ruhm der Jungfräulichkeit preis und thut ihr den äußersten Schimpf an. Der jungfräuliche Stand ist etwas Gutes; das sage auch ich; er ist aber auch besser, als die Ehe; auch das ist meine Behauptung. Und wenn du willst, so werde ich auch beifügen, um wie viel er besser sei: um so viel, als der Himmel die Erde überragt, als die Engel die Menschen, ja um auch etwas Stärkeres zu sagen, noch mehr. Denn wenn die Engel auch nicht zur Ehe nehmen und nicht genommen werden, so sind sie dafür auch nicht aus Fleisch und Blut zusammengesetzt, wohnen nicht auf der Erde, empfinden nicht die Gluth der Begierlichkeit, brauchen weder Speise noch Trank, können weder durch liebliche Gesänge erweicht, noch durch ein schönes Gesicht oder irgend etwas ähnlicher Art gerührt werden; sondern wie der Himmel, von keiner Wolke getrübt, am hohen Mittag einen reinen Anblick gewährt, so müssen auch ihre Naturen, welche von keiner Begierlichkeit beunruhigt werden, rein und glänzend bleiben.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger