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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

80. Was die Wohlanständigkeit und Beharrlichkeit sei.

Es war ihnen nämlich Alles überflüssig, nicht bloß das, was wirklich überflüssig ist, wie Schwelgerei, Reichthum, Macht, Ruhm und die ganze übrige Reihe solcher Träume, sondern auch das, was nothwendig zu sein scheint, als Häuser, Städte, Handwerke. Das ist die Wohlanständigkeit und Beharrlichkeit, das die Tugend des jungfräulichen Standes. Denn es ist zwar bewunderungswürdig und vieler Kronen würdig, wenn man den Wahnsinn seiner Gelüste bricht und die wüthende Natur bezähmt; aber das ist erst wahrhaft bewunderungswerth, wenn ein solches Leben dazu kommt; für sich allein und an sich ist es etwas Geringfügiges und vermag Diejenigen, welche damit begabt sind, nicht zu retten. Zeugen dafür mögen uns alle Jene sein, welche auch jetzt die Jungfrauschaft üben. Die sind so weit von Elias, Elisäus und Johannes entfernt, wie die Erde vom Himmel. Wie man nämlich, wenn man die Wohlanständigkeit und Beharrlichkeit wegnimmt, die Nerven des jungfräulichen Standes abschneidet, so bewahrt man, wenn man sie mit einem möglichst guten Leben verbindet, die Wurzel und die Quelle der Güter. Denn gleichwie ein fetter und fruchtbarer Boden die Wurzel, so vermag auch ein möglichst gutes Leben die Früchte der Jungfrauschaft zu nähren; ja sowohl die Wurzel als auch die Frucht der Jungfrauschaft ist ein [S. 276] gekreuzigtes Leben. Sie hat jene Helden zu dem wunderbaren Laufe gesalbt, indem sie dieselben, nach Lösung aller Bande, mit freien und leichten Füßen, gleichsam geflügelt zum Himmel empor fliegen ließ. Denn wo man weder Weib noch Kinder zu versorgen hat, da ist die Uebung der Armuth etwas Leichtes. Die Armuth aber bringt uns dem Himmel nahe, indem sie uns nicht bloß von den Schrecken, Sorgen und Gefahren, sondern auch von allen übrigen Beschwerden befreit.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger