Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

79. Elias und ihm ähnliche Seelen standen durch den Vorzug der Jungfräulichkeit den Engeln in Nichts nach.

Denn sage mir, wodurch unterscheiden sich Elias, Elisäus, Johannes, diese ächten Liebbaber der Jungfräulichkeit, von den Engeln? Durch nichts, außer daß sie mit der sterblichen Natur angethan waren; denn wenn Jemand das Uebrige genau untersucht, so wird er finden, daß sie in Nichts schlechter beschaffen waren; und gerade das, worin sie ihnen nachzustehen schienen, erhöhet ihr Lob. Denn erwäge nur, welch’ große Tapferkeit, welche Lebensweisheit erforderlich war, daß sie, auf Erden lebend und der Nothwendigkeit der sterblichen Natur unterworfen, zu solcher Tugend gelangen konnten. Hieraus wird aber klar, daß der jungfräuliche Stand das aus ihnen gemacht hat. Denn hätten sie Weib und Kinder gehabt, so würden sie nicht so leicht die Einöde bewohnt, nicht so leicht Häuser und den übrigen Lebensbedarf vernachlässigt haben. Nun aber lebten sie, frei von all diesen Banden, auf Erden wie im Himmel, ohne Wände, Dach, Bett, Tisch oder etwas Anderes der Art zu bedürfen: vielmehr diente ihnen der Himmel als Dach, die Erde als Lager, die Einöde als Tisch; und was Andern als Ursache des Hungers erscheint, die Unfruchtbarkeit der Wüste, das gewährte jenen Heiligen Ueberfluß; denn sie hatten weder Weinberge, noch Wiesen, noch Früchte, noch Ernte nöthig, vielmehr reichten ihnen Quellen, Flüsse und Seen einen überflüssigen und süßen Trank dar. Einem von ihnen bereitete ein Engel einen wunderbaren, außerordentlichen und jede menschliche Erwartung übertreffenden Tisch. Denn „Einem,“ heißt es, „reichte ein einziges Brod zur Sättigung auf vierzig Tage aus“. Den Andern nährte die Gnade des Geistes oft wunderbar, und nicht bloß ihn, sondern auch Andere um seinetwillen.1 Und Johannes, der mehr als ein Prophet war, und von dem gesagt wurde, daß kein Grös- [S. 275] serer unter den von Weibern Gebornen aufgestanden sei, bedürfte nicht einmal menschlicher Speise; denn nicht Brod und Wein und Oel, sondern Heuschrecken und Waldhonig erhielten das Leben seines Leibes. Siehst du die Engel auf Erden? Siehst du die Macht des jungfräulichen Standes? Er bewirkte, daß Menschen, die aus Fleisch und Blut bestanden, auf Erden wandelten und, der Nothwendigkeit der menschlichen Natur unterworfen, gleichsam wie unkörperliche Wesen, wie Wesen, die schon den Himmel erlangt und die Unsterblichkeit angezogen, Alles vermochten.

1: III. Kön. 19, 6—8. IV. Kön. 4.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

Navigation
. . Mehr
. . 68. Von der Ruhe, welc...
. . 69. Prächtige Mahlzeiten ...
. . 70. Die Nüchternheit ...
. . 71. Durch die Schwelgerei ...
. . 72. Die Schwelgerei ...
. . 73. Diese Zeit ist ...
. . 74. Warum der Apostel ...
. . 75. Was es heißt: ...
. . 75. Was es heißt: ...
. . 76. Nicht die Jungfrau...
. . 77. Diejenige, welche ...
. . 78. Warum Paulus den ...
. . 79. Elias und ihm ähn...
. . 80. Was die Wohlanstä...
. . 81. Welch’ großes ...
. . 82. Widerlegung derjen...
. . 83. Uns und den Alten ...
. . 84. Mit Recht ist uns ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger