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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

66. Es ist angenehmer, zu Fuß einher zu gehen, als auf Mauleseln zu reiten.

„Aber es ist doch angenehm, auf dem Forum sich auf Mauleseln herumzutreiben.“ Das ist nur eitler Prunk und entbehrt alles Vergnügens. Denn gleichwie die Finsterniß nicht besser ist, als das Licht, eingeschlossen sein nicht besser, als frei sein, vieler Dinge entbehren nicht besser, als keines einzigen, so wird auch jene sich nicht besser befinden, welche der eigenen Füße sich nicht bedient. Ich übergehe die Beschwerden, welche sie in Folge dessen aushalten muß. Denn es ist ihr nicht gestattet, nach Lust aus dem Hause zu gehen, sondern sie wird oft, selbst wenn irgend ein großer Vortheil einen Ausgang erfordert, gezwungen zu Hause zu bleiben, wie Bettler, denen die Füße abgenommen sind, und die kein Fuhrwerk besitzen. Wenn daher der Mann die Maulesel zu einem andern Zweck bestimmt hat, so ist Kleinmuth, Streit und hartnäckiges Stillschweigen da; wenn aber sie, die Zukunft nicht achtend, dasselbe gethan, so wendet sie, weil sie den Mann unberücksichtigt gelassen, seinen Zorn auf sich und verzehrt sich beständig vor Unmuth. Und um wie viel wäre es besser, daß sie sich der Füße bediente (denn dazu hat sie Gott uns gegeben) und nichts von diesen Leiden zu dulden hätte, als aus Liebe zur Weichlichkeit gezwungen zu sein, so viel Elend uud Kummer zu leiden? Doch dieses sind nicht die einzigen Gründe, die sie zu Hause hinhalten; sondern sei es, daß beide Maulesel, sei es, daß nur einer an den Füßen leide, so ereignet sich ein Gleiches. Und wenn sie auf die Weide geschickt werden (was jährlich auf viele Tage geschieht), so muß sie abermals einer Gefesselten gleich zu Hause bleiben und kann, selbst wenn sie ein dringend Geschäft ruft, nicht aus dem Hause gehen. Wenn Jemand erwidern sollte, daß dieselbe auch von der Menge der Begegnenden befreit und nicht genöthiget sei, sich den Augen der Bekannten auszusetzen und zu erröthen, so scheint mir ein solcher gar nicht zu wissen, was der weiblichen [S. 256] Natur die Scham benimmt und verursacht; denn das bewirkt nicht das Gesehenwerden oder das Verborgenbleiben, sondern jenes bewirkt die die Seele beherrschende Keckheit, dieses dagegen die Bescheidenheit und Sittsamkeit. Darum zogen viele Frauen, welche dieser Haft sich entledigten und mitten durch die Menge auf dem Forum einhergingen, nicht nur keine Ankläger sich zu, sondern hatten sogar viele Bewunderer ihrer Bescheidenheit, weil sie sowohl durch ihre ganze Haltung, als durch ihren Gang und durch die Prunklosigkeit ihrer Kleidung gleichsam einen glänzenden Strahl ihrer innern Rechtschaffenheit hervortreten ließen. Nicht wenige aber von den im Hause Bleibenden haben sich einen bösen Ruf zugezogen; denn die Verschlossene kann mehr als jene, welche ausgehen, sich denen, welche es wollen, gar frech und unverschämt zeigen.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger