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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

62. Goldschmuck schadet der Schönheit und vermehrt die Häßlichkeit.

Doch gesetzt, diese Furcht sei nicht vorhanden, und auch dieser Sorge sei man überhoben. Wozu nützt es? „Es sah sie Jemand, entgegnet man, und bewunderte sie.“ Aber er bewunderte nicht die damit Geschmückte, sondern den Schmuck, während er sie oft sogar tadelte, weil sie über ihren Stand geschmückt war. Denn ist sie schön, so richtet sie die Schönheit der Natur dadurch zu Grunde; denn jener viele Schmuck läßt sie nicht in ihrer Reinheit erscheinen, indem er einen großen Theil derselben verdeckt. Ist sie aber häßlich und ungestaltet, so macht sie sich damit noch häßlicher; denn wo immer die Mißgestaltung, wie groß sie auch sein mag, allein erscheint, tritt nur sie hervor; wird ihr aber der Glanz der Edelsteine oder die Schönheit irgend eines andern Stoffes beigefügt, so steigert sich die Häßlichkeit viel mehr. Denn theils läßt der Starke und wie in der Dnnkelheit leuchtende Glanz des Geschmeides die Schwärze des Körpers noch schwärzer erscheinen; theils zeigen die Blumen der Gewänder die Häßlichkeit des Gesichtes noch häßlicher, weil sie den Zuschauern nicht gestatten, die Gestalt des Gesichtes für sich, sondern nur im Vergleich mit jener gemachten und unbeschreiblichen Schönheit zu beurtheilen, woher es kommt, daß die Niederlage um so größer wird. Denn das auf den Kleidern vertheilte Gold und die bunte Farbe ihres Stoffes, sowie der ganze übrige Schmuck drängt ebenso, wie ein edler Wettkämpfer, kräftig und stark, der einen krätzigen, schmutzigen und hungernden Gegner auf die Seite gestossen, die Schönheit des Angesichtes derjenigen, die ihn trägt, in [S. 252] den Hintergrund, lenkt die Augen der Schauer nur auf sich und bewirkt damit, daß jene noch mehr verlacht, er selbst aber übermäßig bewundert werde.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger